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Zweitgrößte Bank Österreichs experimentiert mit eigenem Euro-Stablecoin

Die Raiffeisen Bank International ist die zweitgrößte Bank Österreichs. Derzeit hat sie testweise einen Euro-Stablecoin aufgesetzt, mit dem einige Mitarbeiter bereits in der Kantine bezahlen können. Auch wenn die Bank noch keine konkreten Termine nennt, wann sie den Stablecoin zu ihren 16,7 Millionen Kunden bringen will, betritt damit doch ein Akteur einer ganz neuen Klasse das Geschäft mit den Stablecoins.

Wenn man heute „Raiffeisen“ hört, denkt man oft an etwas Verstaubtes. Eine Bank auf einem Dorf mit Büros aus den 70ern. Der Name einer kleinen Straße, ein landwirtschaftlicher Laden aus einer Zeit, in der es noch keine Baumärkte gab, ein Schwarzweiß-Bild von Friedrich Wilhelm Raiffeisen aus dem 19. Jahrhundert.

In der Finanzgeschichte war Raiffeisen jedoch ein Innovator, und die von ihm gegründeten Genossenschaftsbanken dürften aus der Wirtschaftsgeschichte Deutschlands und auch Österreichs kaum mehr wegzudenken sein. Dazu passend widmet sich die Raiffeisenbank Österreichs bereits entschlossen dem Thema Blockchain und Stablecoins, während der deutsche Bankenverband noch damit beschäftigt ist, alle Einwände zusammenzutragen: Die Raiffeisen Bank International (RBI), die in Österreich die zweitgrößte Bank und die führende Kommerz- und Investmentbank ist, experimentiert mit einem eigenen Euro-Stablecoin. Mit einer Bilanzsumme von 164 Milliarden Euro und 16,7 Millionen Kunden könnte die RBI den Anstoß dafür geben, dass Kryptowährungen als Stablecoin im Mainstream ankommen.

Der „Raiffeisen Euro-backed Stable Token„, kurz REST, ist derzeit noch eine hausinterne „Übung in der Tokenisierung“. Er hat das Ziel, die Technologie für die Mitarbeiter greifbar zu machen und Wissen generieren. Wie kann man einen Stablecoin skalieren? Wie läuft der Übergang zwischen Euro und Stablecoin? Solche Fragen soll das Projekt klären.

An dem Projekt nehmen neben dem Team der RBI auch die hauseigene Kantine teil, wo man mit dem Stablecoin bezahlen kann. Als Hardware-Provider dient HotelData, die Blockchain, auf der der Stablecoin selbst läuft, ist vom Wiener Dienstleister ObsNetwork. Obs hat eine eigene Blockchain aufgesetzt, die speziell für Unternehmen gemacht ist, die Token herausgeben wollen.

Diese Blockchain ist eine Fork der Waves Plattform, die auf NXT und Scorex aufbaut. ObsNetwork hat auf ihr zudem Bitcoin-NG implementiert, eine Architektur, die Cornell-Forscher Emin Gün Sirer schon vor fünf Jahren vorgestellt hat, und die die Schnelligkeit und Skalierbarkeit der Blockchain verbessern soll. Mit diesem Programm rühmt sich Obs, eine deutlich schnellere und besser skalierbarere Blockchain anzubieten, als die üblichen für Token verwendeten Lösungen.

Zusammen mit Obs und dem Startup Blockstruct hat die RBI auch eine Wallet für die hauseigenen Tests entwickelt. Durch diese soll man mit einem QR-Code in der Kantine bezahlen, die Token auf eine Wallet hochladen, sie gegen (gewöhnliche) Euro tausen, Geld versenden und einen Aktivitätsbericht erstellen.

So erfreulich es ist, dass die RBI mit dieser Innovation vorangeht, so fragt man sich doch, weshalb Banken so häufig der Ansicht sind, die Technologie neu erfinden zu müssen. Als die Banken Computer einrichteten, haben sie doch auch nicht erst versucht, ihren eigenen Computer und ihr eigenes Betriebssystem zu entwickeln. Warum scheinen sie bei Blockchains die Notwendigkeit zu verspüren, in das Geschäft der Softwareentwicklung einzusteigen?

Im Gegensatz zu vielen anderen Modellen ist ObsNetwork immerhin Open Source, erlaubnisfrei und baut in transparenter Weise auf bereits bekannten Technologien auf. Es könnte nicht die verkehrteste Wahl sein, um einen Stablecoin herauszugeben. Andererseits ist es eine nicht in der Praxis erprobte Blockchain, die auch keinerlei Netzwerkeffekte mitbringt, wie etwa die Verfügbarkeit in Wallets, die Anbindung an Börsen oder an DeFi-Apps.

Anstatt mit dem neuen Stablecoin auch eine neue Blockchain etablieren zu wollen, würde sich die RBI möglicherweise einen größeren Gefallen tun, wenn sie es beim eigenen Stablecoin belassen und etwa nach dem Vorbild von Tether verschiedene Blockchains benutzen würden, um an die bereits bestehenden Strukturen anzudocken. So könnte der Stablecoin sofort mit vielen Wallets funktionieren, es auf DeFi-Apps schaffen und so weiter. Aber was nicht ist kann ja noch werden …

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