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USA verhängt Sanktionen gegen Bitcoin-Adressen von zwei Iranern

Nun ist es soweit: Bitcoins werden wie normales Geld behandelt. Das US-Finanzministerium hat gestern angekündigt, dass das Office of Foreign Assets Control (OFAC) erstmals zwei Bitcoin-Adressen mit Sanktionen belegt. Funktioniert das überhaupt?

Die beiden nun offiziell sanktionierten Adressen gehören zwei Bürgern des Irans, Ali Khorashadizadeh und Mohammad Ghorbaniyan. Den beiden wird laut der Pressemitteilung des Finanzministeriums vorgeworfen, dabei geholfen zu haben, Bitcoins gegen iranische Rial zu wechseln. Darunter waren auch Bitcoins von zwei iranischen Hackern, die hinter der SamSam Ransomware standen, welche mehr als 200 Computer befallen hat. Insgesamt seien mehr als 7.000 Bitcoins im Wert von mehreren Millionen Dollar über die beiden Adressen, 149w62rY42aZBox8fGcmqNsXUzSStKeq8C und 1AjZPMsnmpdK2Rv9KQNfMurTXinscVro9V, gelaufen, und auf mehr als 40 Börsen gegen Fiat-Geld gewechselt worden.

“Das Finanzministerium ermittelt gegen Wechsler von digitalen Währungen, die es iranischen Cyperkriminellen ermöglicht haben, sich durch Lösegelder in digitalen Währungen zu bereichern,” erklärt Sigal Mandelker, der beim Finanzminsiterium als Untersekretär für Terorismus und finanzielle Geheimdienste zuständig ist. “Da der Iran immer stärker isoliert ist und verzweifelt nach einem Zugang zu US-Dollarn sucht, ist es essenziell, dass Börsen für virtuelle Währungen, peer-to-peer Geldwechsler und andere Anbieter von Dienstleistungen in diesem Bereich ihre Netzwerke gegen solche kriminellen Machenschaften stärken.” Die Bitcoin-Adressen werden veröffentlicht, “um kriminelle Akteure im Raum der digitalen Währungen zu identifizieren. Das Finanzamt wird den Iran und andere Schurken-Regime aggressiv verfolgen, wenn sie digitale Währungen und Schwächen in der Cybersicherheit und in Maßnahmen gegen Geldwäsche ausnutzen, um ihre schändlichen Aktivitäten fortzusetzen.”

Damit setzt das Finanzministerium erstmals Bitcoin-Adressen auf eine öffentliche Blacklist. Während Sanktionen im herkömmlichen Bankwesen dazu führen, dass es mehr oder weniger unmöglich wird, Geld an die entsprechenden Parteien zu senden, sind Sanktionen von Bitcoin-Adressen zunächst wirkungslos. Denn keine Sanktion kann einen privaten User daran hindern, mit seiner Wallet eine Transaktion an eine Adresse zu senden. Tatsächlich liefen auf den Adressen der beiden Iraner seit gestern auch mehrere Kleinsttransaktionen in, die vermutlich aus Protest gegen die Sanktionen gezeichnet wurden.

Digitale Währungen dämpfen die Effektivität von Sanktionen ohne Zweifel. Allerdings kann das US-Finanzministerium auf andere Weise Druck ausüben. So verpflichtet es Börsen und andere Dienstleister der USA – und in den Ländern, auf die die USA Einfluss hat – dazu, Guthaben zu identifizieren und einzufrieren, die mit diesen Adressen in Verbindung stehen. “Ein Resultat der heutigen Aktion ist es”, so die Pressemitteilung, “dass Personen, die durch Transaktionen mit Khorashadizadeh und Ghorbaniyan in Verbindung gebracht werden, möglicherweise zum Ziel sekundärer Sanktionen werden.”

Gemäß der FAQ zu Sanktionen, die nun um einen Teil zu digitalen Währungen erweitert wurden, unterliegen Transaktionen in digitalen Währungen denselben Auflagen unterliegen wie Transaktionen in Fiatwährungen: US-Bürger müssen sicherstellen, dass sie Transaktionen von Individuen, die direkt oder indirekt auf der Liste der OFAC stehen, blockieren und keinen Handel mit diesen betreiben. Ebenso ist es verboten, diese Personen finanziell, materiell oder technisch zu unterstützen. Börsen und Zahlungsdienstleister werden aufgefordert, dafür maßgeschneiderte technische Lösungen zu entwickeln, was wohl bedeutet, dass sie den Transaktionen von Kunden nachspionieren müssen, um sicher zu stellen, dass diese nicht in Verbindung mit von den USA sanktionierten Adressen stehen.

Damit beginnt ein Prozess, der für Bitcoin schon seit langem prophezeit wurde: das Blacklisting beginnt, die Fungibilität bricht. Ein Coin ist eben doch nicht wie der andere, sondern je nach Herkunft beschmutzt. Coins, die in Verbindung mit den Adressen der beiden Iraner stehen, werden sehr viel schwerer zu verkaufen sein, als saubere Coins, da es kaum eine regulierte Börse geben wird, die sie akzeptiert. Anders als im Bankwesen sind solche Sanktionen aber relativ leicht zu umgehen oder zu entkräftigen, etwa durch die Nutzung mehrerer Adressen, Mixer oder anderer Coins. Dass die beiden Iraner stets dieselbe Adresse genommen haben, um Geld zu waschen, zeigt auch, dass sie über relativ überschaubare Kenntnisse der Materie verfügen. Ob und wie es unter diesen Umständen möglich ist, dass die USA ihre Finanzsanktionen gegen kompetente User aufrecht halten, wird eine spannende Frage der nahen Zukunft sein. Aktuellen Forschungsergebnissen zufolge gibt es Instrumente im Bereich der virtuellen Währungen, welche Blockchain-Analysten vor große Herausforderungen stellen.

Nicht minder spannend dürfte es sein, zu beobachten, wie sich Bitcoin im Iran entwickelt. Wie das Finanzministerium korrekt feststellt, ist das Land durch die internationalen Finanzsanktionen immer weiter isoliert, insbesondere seit SWIFT auf Druck der USA das Land vom wichtigsten Zahlungsnetzwerk der Welt abgetrennt hat. Die Folge ist, dass Bitcoins und andere digitale Währungen immer weiter an Bedeutung gewinnen, um der Volkswirtschaft Devisen zuzuführen. Die Konsequenzen dieser Politik werden für immer mehr Börsen und Iraner spürbar. So hat vor kurzem erst Binance, eine der weltweit größten Krypto-Börsen mit Sitz auf Malta, seine Kunden aus dem Iran aufgefordert, die Guthaben abzuziehen, da deren Account bald geschlossen wird. Laut einem Blockchain-Aktivisten aus dem Iran trudeln solche Nachrichten von Börsen immer häufiger ein, seit die USA die Sanktionen gegen das Land verschärft hat. Neben Binance blockeren auch Bittrex und Bitmex User aus dem Iran.

Damit steuert Bitcoin also mal wieder auf einen Konflikt zu, der eigentlich von Anfang an in die digitale Währung einprogrammiert wurde. Es wird sich zeigen, ob es der USA gelingt, die Währung zu kontrollieren – und wie sie reagieren wird, wenn dies nicht gelingt.

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