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US-Justizministerium ermittelt angeblich gegen Tether wegen Bankbetrug – Tether dementiert

Laut einem unbestätigten Bericht leitet die USA Ermittlungen gegen Manager des Stablecoins Tether (USDT) wegen Betruges ein. Die Vorwürfe sind überraschend trivial. Tether dementiert zwar – doch die Ermittlungen würden sehr gut ins Gesamtbild passen: Die US-Regierung ist zunehmend beunruhigt über die Tether-Dollar. Angeblich drohen sie bereits, die Stabilität des Finanzwesens zu gefährden.

Noch vor zwei, drei Monaten kannten Bitcoin-Kritiker kein anderes Thema als den hohen Stromverbrauch. Nachdem das eine Sackgasse war – die Miner reagierten und stiegen auf nachhaltige Energien um – schießen sich die Bitcoin-Kritiker nun auf Tether ein. Kein Wunder: Die Dollar-Token haben nicht nur eine überragende Bedeutung für die Kryptomärkte – ihre Deckung durch echte Dollar ist seit langem hochumstritten.

Eine gestern erschienene Nachricht wird nun zu Wasser auf den Mühlen der Tether-Gegner: Das US-Justizministerium habe, schreibt der Börsendienst Bloomberg, Kriminalermittlungen gegen führende Manager von Tether aufgenommen. Es gehe darum, ob die Manager Bankbetrug begangen haben, ein Fall, der, versichert Bloomberg, „weitläufige Folgen für die Kryptowährungs-Märkte haben würde.“

Die Ermittlungen drehen sich allerdings nicht um das, was man eigentlich vermuten würde: ob die Tether-Token gedeckt sind. Ob Tether falsche Aussagen über die Token verbreitet, ob die Firma Geldwäsche unterstützt oder wissentlich in Kauf nimmt. Stattdessen greife der lange Arm des Gesetzes nach einem Vorfall, der sich vor Jahren ereignet habe, zu einer Zeit, als Tether noch in den Kinderschuhen steckte. „Die Bundes-Ermittler prüfen, ob Tether es gegenüber Banken verschleiert hat, dass die Transaktionen mit Krypto verbunden sind“, so Bloomberg unter Berufung auf „drei Leute, die direkt von der Sache wissen, aber wegen der Vertraulichkeit der Ermittlungen nicht mit Namen genannt werden wollen.“

Sollte dies alles sein, worüber die Tether-Skeptiker jubeln können, wäre dies lächerlich. Tether hat den Banken nicht verraten, dass es um Krypto geht. Ok. Das ist vielleicht ärgerlich für die Bank, verstößt vielleicht gegen AGBs, grenzt vielleicht an Betrug – aber aufgrund der Politik vieler Banken ist dies mehr als nachvollziehbar, und es kratzt kein Stück an der Legitimität von Tether.

Dennoch antwortet Tether auf den Bloomberg-Artikel, auf die gewohnt kurz angebundene, leicht schnoddrige, sich als Helden inszenierende Weise: Der Bloomberg-Artikel beruhe auf ungenannten Quellen und jahrealten Anschuldigen, er sei „offensichtlich gemacht, um Klicks zu generieren.“ Der Artikel folge „dem Muster, abgestandene Behauptungen als ‚Nachricht‘ neu abzupacken.“ Die fortlaufenden Versuche, Tether zu diskreditieren „werden nichts an unserer Entschlossenheit ändern, die Community weiterhin zu führen.“ Tether stehe routinemäßig in Dialog mit Strafverfolgern, auch dem US-Justizministerium. Man sei stolz darauf, die Branche dabei anzuführen, mit Regierungen rund um die Welt zu kooperieren.

Bloomberg nimmt einen Teil dieses Statements in die Meldung auf, fügt aber ohne rechten Anlass hinzu: Die Unternehmensstruktur von Tether „besteht aus einem verworrenen Netz aus Firmen auf den Britischen Jungferninseln und in Hongkong.“ Zwar verweigere das Justizministerium einen Kommentar, doch wenn die Meldung wahr wäre, würden die Ermittlungen, erklärt Bloomberg, „eine der signifikantesten Entwicklungen im Vorgehen der US-Regierung gegen virtuelle Währungen markieren.“ Denn Tether sei „bei weitem der populärste Stablecoin.“ Die Bedeutung der Coins für den Markt sei klar – „sie unterliegen mehr als der Hälfte aller Bitcoin-Trades.“

Darüber hinaus beschäftige sich das Justizminsiterium schon seit 2018 mit Tether. Anscheinend intensiviere sich dies in den letzten Monaten, und es spreche einiges dafür, dass bald offiziell Ermittlungen gegen den Stablecoin eingeleitet werden – diese womöglich wegen der Frage nach der Deckung. Diese Ermittlungen könnten zum „Umschlagpunkt werden, da Stablecoins zunehmend im Fokus der Regulierer stehen.“

Denn Zentralbank und Finanzministerium in den USA sorgen sich mittlerweile, dass Tether die Stabilität des Finanzwesens gefährden und Maßnahmen gegen Geldwäsche hinfällig machen. Erst vergangene Woche betonte Finanzministerin Janet Yellen nach einem Treffen mit den führenden US-Regulierern, diese „müssen rasch handeln, um sicher zu stellen, dass in den USA angemessene regulatorische Regeln gelten.“ Damit dürfte ein frostiger Wind gegen Tether aufziehen. Die Kriminalermittlungen wegen eines längst vergangenen Details könnten nur ein erster Warnschuss sein.

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