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„UNCHAIN ist für uns ein Imperativ: Wir wollen Diskussionen aufmachen und Denkverbote brechen.“

Oskar Giese organisiert mit der UNCHAIN die wichtigste deutsche Bitcoin- und Krypto-Konferenz. Im Interview erzählt der Hamburger mit Wohnsitz im Rheinland, was die UNCHAIN besonders macht, welche Schmerzen es bereitet, sie zu organisieren und wohin sich der Fokus in diesem Jahr gewendet hat.

UNCHAIN heißt ja „ohne Ketten“. Inwieweit ist dieses Motto auf der Konferenz zu spüren?

UNCHAIN ist für uns ein Imperativ: Wir wollen Diskussionen aufmachen und Denkverbote brechen. Was passiert, wenn wir unsere eigenen Banker sind? Brauchen wir so viel Bürokratie und Regulierung?

Das ist eine kämpferische Ansage, und es soll Aufbruchstimmung ausdrücken. Wenn du in Deutschland etwas verändern willst, heißt es immer, du sollst in die (Berufs-)Politik gehen. Meiner Erfahrung nach kann man dort als Einzelner nichts bewegen. In der Blockchain-Bewegung gehen die Leute dagegen ihren eigenen Weg. Es geht nicht ums Lamentieren, sondern ums Machen.

Mit der Konferenz wollen wir helfen, Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen. Wir wollen das Framework dieser neuen Economy, mit ihrer ganzen Symbolik, in unseren Kulturkreis übersetzen und mitprägen.

Unser Motto, keine Denkverbote zuzulassen, macht es nicht immer einfach. Jeder spricht von Vielfalt, aber nur, wenn es nicht weh tut. Das haben wir im letzten Jahr mit unserem Lineup schmerzlich erfahren. Wir und unsere Kooperationspartner haben E-Mail-Shitstorms bekommen, sogar aus öffentlichen Institutionen, nachdem bekannt wurde, dass wir Politiker aller Fraktionen eingeladen haben …

Das scheint nicht das einzige zu sein, was schmerzt. Du hast im Vorfeld gemeint, die Organisation einer Konferenz sei eine Art „Kasteiung“. Warum?

Haha, ja. Unser Freund und Partner Rudolfo Andragnes, der seit Jahren die laBITconf organisiert, hat mir mal gesagt, Krypto-Konferenzen werden in „Wellen der Depression“ organisiert. Es ist herausfordernd und oft frustrierend, eine inhaltlich unabhängige und anspruchsvolle, aber kostentechnisch solide Konferenz zu produzieren.

Was ist die größte Quelle der Depression?

Das ist eindeutig die Mittelakquise. Auf der einen Seite wollen alle präsentieren, selbst dann, wenn sie nicht viel zu erzählen haben, aber keiner möchte bezahlen. Und die, die doch bezahlen möchten, beanspruchen nicht selten den inhaltlichen Beifahrersitz. Wir haben etwa mit der Stadt Hamburg über eine Zusammenarbeit gesprochen, aber uns wurde gesagt, wir seien zu systemkritisch. Da haben es andere, weniger Bitcoin-fokussierte Konferenzen einfacher. Je inhaltlich flexibler, je mehr Fokus auf „Enterprise und Private Blockchains“, desto mehr Förderung, u.a. mit öffentlichen Geldern, und da treten dann auch Politiker auf. Den Realitäten hier ins Auge zu schauen, das ist schon hart!

Wir schaffen das die anderen großen Konferenzen? Werden die von den Veranstaltern selbst finanziert?

Ich habe mit vielen geredet, und den Veranstaltern spannender Events geht es oft nicht viel anders. Breaking Bitcoin zum Beispiel hatte in diesem Jahr große Probleme, die Mittel reinzuholen; und selbst für Blockstream war es kein Kinderspaziergang, eine Veranstaltung wie Understanding Bitcoin auf die Beine zu stellen. Das wird schnell existenziell. Wir haben uns auch schon gelegentlich überlegt, es nicht zu machen. Aber das gehört nun mal dazu: Ups and downs ist man als Bitcoiner inzwischen ja gewohnt.

Aber am Ende hat es doch geklappt?

Ja, es klappt, wenn man standhaft bleibt. Wir haben ja viele Kontakte, etwa durch unsere engen Partnerschaften mit der laBITcoinf, der Baltic Honeybadger, und anderen. Das hilft sehr.

Dabei hat sich in diesem Jahr auch ein stärkerer Fokus auf die Core-Community herausgeperlt. Es wird mehr um Privacy oder um Lightning gehen, mit Max Hillebrand, Christian Decker, Adam Back, Jeff Gallas oder Fluffy Pony haben wir dafür exzellente Redner.

Wie kam dieser Fokus zustande?

Ich habe im letzten Jahr viele Veranstaltungen besucht. Dabei waren auch viele, etwa ICO-Roadshows, die ich eigentlich gar nicht besuchen möchte. Mein Anspruch an die UNCHAIN ist es, dass sie mir selbst gefällt. So kam der Wunsch nach mehr Substanz, was uns zurück zu den Roots geführt hat.

Außerdem haben wir geschaut, was aus den vielen Ideen geworden ist, mit denen wir uns im letzten Jahr auseinandergesetzt haben. Also eine Art Realitätscheck. Mein Eindruck ist, dass die ganze Kryptoindustrie vor allem um das Projekt Bitcoin kreist, dass dort die wirtschaftliche Musik spielt und es eine viel größere Zukunft hat als die ganzen Parallel-Industrien.

War es schwierig, gute Redner zu bekommen?

Ich habe auf den Konferenzen, mit denen wir kooperieren, Leute angesprochen, und über Jeff und Aaron haben wir ein großes Netzwerk, aus dem wir schöpfen konnten.

Dazu hatten wir noch mindestens 70 Bewerbungen, von denen wir aber nur einen kleinen Teil angenommen haben. Viele wollten zu Themen wie Rechtsberatung und Regulierung vortragen. Das ist für uns nicht so wichtig, dazu gibt es schon viele erfolgreiche Veranstaltungen.

Ein allgemeines Problem ist, dass man nicht in alle Projekte inhaltlich tief einsteigen kann. Wir werden mit Whitepapers zugeschüttet. Ich kann das nicht alles lesen und verstehen, daher bin ich darauf angewiesen, der Einschätzung von anderen zu vertrauen. Wenn wir eine exponentielle Innovation haben, wird es unmöglich, alles noch selber zu verstehen, selbst für Experten. Auf der einen Seite entkoppeln wir uns im Internet vom Persönlichen, und gerade in unserem Ökosystem heißt es: Don’t trust, verify! Auf der anderen Seite wird es immer unentbehrlicher, dass wir Fachleute in unserem Netzwerk haben, denen wir bei bestimmten (technischen) Fragen vertrauen und die uns leiten können. Das war für mich eine sehr interessante Erfahrung.

Gab es Sprecher, die du gerne gehabt hättest, aber nicht bekommen hast?

Ja, ein paar. Nassim Taleb wäre schön gewesen, aber der konnte nicht. Trace Mayer hätte ich gerne gehabt, weil er brutale Wahrheiten auf eine slapstickartige Weise zum Ausdruck bringen kann, nur an den bin ich nicht rangekommen. Andreas Antonopoulos hätten wir bekommen können, dafür habe ich ein halbes Jahr lang gearbeitet. Aber als er mir dann das Vertragswerk vorgelegt hat … es ist vermutlich einfacher, Metallica auf eine Bühne zu bringen als ihn. Wir haben deshalb dann doch nicht zueinander gefunden. Mit allem Bedauern, denn natürlich ist er ein herausragender Redner und Visionär.

Nachdem wir jetzt so viel gemeckert und geklagt haben … was an der UNCHAIN ist für dich denn ein Quell der Freude?

Das ist die Veranstaltung an sich. Vor allem die Side Events. Es kommen viele Leute aus der ganzen Welt, einige sind schon Freunde, die alle Veränderungen schaffen wollen und die Power und Energie hierfür haben.

Die Vorträge sind natürlich toll, aber Talks kann man sich letzten Endes auch auf Youtube ansehen. Worum es uns geht ist die Atmosphäre; dass die Leute in einer stimulierenden Umgebung zusammenkommen. Wir haben Teilnehmer und Redner auf allen Niveaus, technische Experten, Business-Maker, Investoren und so weiter. Die vielen Gespräche am Rand, auf der Spree-Bootsfahrt und auf den Parties am Abend – das ist das, worauf ich mich am meisten freue.

Wer nun Lust bekommen hat, auch zur UNCHAIN zu gehen, kann sich über die Webseite der Konferenz ein Ticket buchen. Wer mit dem Rabattcode BTCBLOGUC19 bezahlt, bekommt zudem noch einen Nachlass von 20 Prozent auf die Tickets.

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