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Twetch App wird zur Chat App

Der Blockchain-Twitter-Klon Twetch führt eine neue Funktion ein: Man kann nun auch auf der Blockchain chatten. Die Nachrichten sind per AES und ECIES verschlüsselt, und über die Chat-Kanäle kann man sich auch gegenseitig bezahlen. Ist die Funktion tatsächlich sinnvoll?

Twetch dürfte die bekannteste App von Bitcoin SV (BSV) sein. Der Twitter-Klon läuft komplett auf der Blockchain, was bedeutet, dass jeder einzelne Tweet – hier Twetch genannt – als Onchain-Nachricht verewigt wird. Selbst wenn die Macher von Twetch die Nachrichten der User löschen, zensieren oder verfälschen wollten – sie könnten es gar nicht.

Neben den Onchain-Nachrichten hebt sich Twetch von Twitter durch die Micropayments ab: Jede Interaktion kostet etwas. Man bezahlt dafür, einen Twetch zu senden, einen Twetch von jemand anderem zu liken oder zu retweeten, was hier „branchen“ heißt, und man bezahlt, wenn man anderen Usern folgt oder entfolgt oder blockt. Alles kostet, und das bedeutet gleichzeitig, dass man bei allem verdient: Wenn jemand auf einen Twetch antwortet, ihn liked, ihn brancht, und so weiter. Man kann Twetch wie Twitter benutzen, aber dabei kann man eben auch Geld verdienen oder Geld verschwenden.

Sieht aus wie Twitter, funktioniert wie Twitter, ist aber nicht Twitter, sondern weniger voll: Screenshot meines Twetch-Dashbords.

In dieser Woche hat das Startup hinter Twetch, das von dem Berliner Unternehmer Josh Petty geführt wird, ein neues Feature angekündigt: Chats. So, wie man bei Twitter private Nachrichten an andere User schicken kann, kann man nun auch bei Twetch mit anderen Usern chatten. Der Unterschied ist, wie erwartet, dass die Nachrichten onchain sind. Da man aber nicht möchte, dass jeder die privaten Unterhaltungen liest, zwingt dies die Twetch-Entwickler dazu, eine extreme Privatsphäre einzuführen: Jede Nachricht ist per AES und ECIES verschlüsselt, was bedeutet, dass nur derjenige, der den Schlüssel zum Account hat, sie lesen kann. Das ist, etwa wenn man MoneyButton benutzt, ausschließlich der User.

Twetch führt mit den privaten Nachrichten also eine geradezu militärische Privatsphäre ein, während die Nachrichten gleichzeitig onchain sind, als eine vom Sender signierte Transaktion. Dies macht Twetch-Nachrichten „hart“: Sie sind unlöschbar, unmanipulierbar, signiert und verschlüsselt. Es dürfte kaum eine Art geben, digital Nachrichten auszutauschen, die eine so starke Rechtsgültigkeit bei gleichzeitiger Privatheit beanspruchen kann.

Aber braucht man es? Wenn man privat chatten will, dann muss man die Nachrichten nicht auf der Blockchain speichern. Das geht durch zahlreiche Messanger, durch PGP-verschlüsselte E-Mails, durch BitMessage und so weiter. Diejenigen, denen es wichtig ist, ihre Nachrichten zu verschlüsseln, dürften bereits zahlreiche Tools dafür verwenden, während die, die es nicht machen, es vermutlich auch nicht machen werden, wenn sie nun dafür bezahlen dürfen. Dass Twetch 9,99 Dollar dafür verlangt, um die Chatfunktion freizuschalten, macht es nicht unbedingt besser.

Für Twetch zielt der Chat vor allem auf Geschäftsleute ab. Twetch habe sich „zu einer beliebten Plattform für Networking und Business in der Bitcoin community“ entwickelt. Bitcoin meint an der Stelle natürlich nicht Bitcoin, sondern Bitcoin SV, wo die Community sehr viel überschaubarer ist. Durch Twetch Chat können Geschäftsleute also privat und gleichzeitig beweisbar Verträge aushandeln und sich durch die integrierte Zahlungsoption auch gleich bezahlen. Ob das nun tatsächlich nachgefragt wird, muss sich natürlich erst noch zeigen, aber es klingt prinzipiell schon sinnvoll.

Twetch selbst hat es geschafft, mit seinem onchain-Twitter eine veritable Anzahl von Usern zu gewinnen, auch wenn es noch um Lichtjahre vom Vorbild entfernt ist. Die Absicht, ein twitter zu bilden, bei dem die Plattform-Besitzer nicht auch die Daten besitzen, und bei denen User nicht mit ihren Daten bezahlen, sondern mit Mikropayments, ist löblich und macht das Projekt attraktiv. Allerdings ist aus Benutzersicht Twetch nicht viel mehr als ein langweiliges Twitter, bei dem nicht so viel los ist und weniger passiert. Beeindruckend ist Twetch dennoch – zeigt es doch, dass man Micropayments in soziale Medien einbinden kann, ohne die flüssige Usererfahrung zu unterbrechen. Das allein ist ein großer Schritt.

Ach ja, wer Twetch ausprobieren möchte, aber noch keine Einladung hat, kann meinen Link verwenden. Mit dem gibt es noch eine begrenzte Zahl von Einladungen, die soweit ich weiß auch mit einem Startguthaben verbunden sind.

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