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Studie zeigt, dass Zcash kaum für kriminelles benutzt wird – aber auch nicht für legales

Um Gerüchten zu begegnen, Zcash werde für kriminelle Machenschaften verwendet, hat die Electric Coin Company eine Studie bezahlt, die dies erforschen soll. Das Ergebnis: Bitcoin ist weiterhin der Standard im Darknet, während Zcash so gut wie keine Rolle spielt. Aber auch außerhalb des Darknets wird Zcash nicht eben viel benutzt.

Man kann nicht alles haben. Zooko, der Gründer des Privayc-Coins Zcash, hätte gerne Anonymität für User, aber bitte keine kriminellen User. Nachdem es immer mehr Behauptungen gab, Zcash werde von Kriminellen benutzt, hat er die Rand Corporation beauftragt, eine Studie zum Thema zu schreiben.

Die Studie von Rand ist online frei verfügbar. Es handelt sich bei ihr um eine weitläufige Literaturrecherche zu Kryptowährungen und Cybercrime, Interviews mit Experten sowie eigene Analysen aus Daten des Darknets. Als wichtigste Disziplinen der kriminellen Nutzung von Kryptowährungen sehen sie Geldwäsche, den Handel mit illegalen Waren und Dienstleistungen sowie Terrorfinanzierung an. Etwas weniger wichtig sind Ransomware, Steuerflucht und Cybercrime.

Die Frage, wie weitgehend Zcash dabei verwendet wird, ist naturgemäß schwer zu beantworten. Das Darknet ist nicht eben transparent mit den Daten, und ein Privacy Coin wie Zcash hat es an sich, dass Transaktionen nicht nachvollziehbar sind. So gehen die Schätzungen, welcher Anteil der Bitcoin-Transaktionen in illegale Aktivitäten verwickelt ist, sehr weit auseinander. Eine Untersuchung meint, es seien 25, wenn nicht gar 40 Prozent, während eine andere von weniger als einem Prozent ausgeht. Die Fakten liegen bereits bei Bitcoin im Nebel. Bei Zcash sind sie vollkommen verdunkelt, so dass die Analysten nur fundierte Schätzungen abgeben können.

So gibt es eher anekdotische Andeutungen, dass Zcash für illegale Güter akzeptiert wird. Der große Darknetmarktplatz AlphaBay war etwa im Begriff, Zcash zu integrieren, wurde dann aber abgeschaltet. Auch die Hackergruppe Shadow Brokers hat scheinbar Zcash für Daten angenommen. Ferner hat die Polizei auch schon Zcash konfisziert, etwa vom Administrator von AlphaBay, sowie im Zuge der Ermittlungen gegen den Hack des Internetdienstes TalkTalk in Großbritannien. Rein intuitiv leuchtet das ein: Bitcoin ist hochtransparent, was zur Folge hat, dass Kriminelle immer wieder über die Spur des Geldes auffliegen. Daher sollte es naheliegend sein, dass sich das Darknet ein neues, anonymeres Zahlungsmittel auswählt.

Aber diese Hinweise sind bislang noch rein anekdotisch und intuitiv. Um harte Zahlen zu erlangen, haben die Analysten eine Übersicht über die Darknetmärkte entworfen, einschließlich der dort verkauften Waren sowie der akzeptierten Zahlungsmittel. Dabei zeigte sich, dass man mit Zcash nur einen winzigen Teil der angebotenen Güter erwerben kann. Bitcoin, Bitcoin Cash, Monero und Ethereum sind sehr viel weiter verbreitet. Im Grunde hat Zcash, so die Autoren, eine extrem vernachlässigbare Präsenz im Darkweb. Zu ähnlichen Schlüsseln kommen sie mit einer zweiten Methode: Sie haben die Darkwebforen analysiert und dabei nach der Nennung von Kryptowährungen gesucht. Auch hier bleibt Zcash kaum erwähnt.

Das Fazit der Analysten ist daher: Man habe „keinen ernsthaften Hinweis auf die weitläufige Nutzung von Zcash für Geldwäsche, Terrorfinanzierung oder illegalen Handel gefunden.“ Ferner komme Zcash in den akademischen Paper, die sie gelesen haben, nur selten vor. Sie konstatieren daher „einen Mangel and Bewusstsein für und Verständnis von Zcash in der Forschungsgemeinschaft“, was womöglich darauf zurückzuführen sei, dass Zcash kaum genutzt werde. Bitcoin hingegen sei „weiterhin die dominante Kryptowährung für illegale oder kriminelle Aktivitäten im Darkweb.“ Daran habe auch das Auftreten sehr viel privaterer Kryptowährungen nicht rütteln können.

Über die Gründe rätseln die Analysten. Dieser Abschnitt liest sich ein wenig wie ein Teil eines Geschäftsberichts, in denen ein Mangel an Erfolg trotz einer an sich plausiblen Strategie vermeldet wird. Liegt es daran, dass die Netzwerkeffekte von Bitcoin einfach zu stark sind? Mangelt es den Kriminellen an einem technischen Verständnis der Materie? Wird sich die Lage ändern, wenn die Kriminellen ihr Wissen ausbauen? Oder könnte die Ursache darin liegen, dass Zcash sich als privaten Coin bewirbt, der aber dennoch vereinbar mit den Anti-Geldwäsche-Regeln ist?

Für Zookos Electric Coin Company (ECC) ist der Bericht natürlich ein Erfolg. Er zeige, „dass Zcash überall auf der Welt vielbenutzt und gut unterstützt wird, aber Kriminelle es nicht nutzen.“ Einer der Gründe dafür läge darin, dass „Zcash nicht dafür gemacht wurde, um die Freiheit auszunutzen.“ Anschließend wiederholt die ECC erneut, dass Zcash für die verschiedensten legalen Transaktionen genutzt wird.

Wenn man sich jedoch die Charts bei Bitinfocharts.com anschaut, bleibt ein eher mageres Bild zurück, das die Aussagen auf dem Blog der ECC schon geradezu zu Desinformation macht. Zcash schafft gut 5.000 Transaktionen am Tag, von denen rund ein Fünftel den Coinbase-Reward darstellt. Seit dem Start der Währung Ende 2016 ist kein ansteigender Trend zu sehen. Andere Privacycoins, etwa Monero oder Dash, verzeichnen deutlich mehr Transaktionen: Monero etwa 15.000, mit einer stark ansteigenden Tendenz in den letzten Monaten, Dash in der Regel 20.000 bis 30.000. Wenn man nach einem Zahlungscoin mit der Option auf starke Privatsphäre schaut, dürfte auch Bitcoin Cash zu den Mitbewerbern gehören, wo man durch CashShuffle seine Coins dezentral mixen kann. Hier entdeckt man gut 40.000 Transaktionen am Tag, also etwa 8 Mal so viele wie Zcash.

Das lässt nur den Schluss zu, dass Zcash nicht nur nicht im Darknet weitgehend verschmäht wird – sondern auch im legalen Bereich. Die Währung selbst genießt nur eine so hohe Aufmerksamkeit, weil der Gründer Zooko ein relativ bekannter Cypherpunk ist, und weil die kryptographische Technologie der Shielded Transactions weithin als brillant gilt. Wirtschaftlich gesehen, also in der Nutzung als Zahlungsmittel, dürfte Zcash weitgehend bedeutungslos sein.

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