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Strike Global: „Jeder kann jedem in der Welt Geld senden, in Echtzeit und quasi kostenlos.“

Das Lighning-Netzwerk am Jahresanfang: Strike wird global, so dass man bald auch in Europa Fiatgeld per Lightning versenden kann. Dem Zahlungsservice gelang es, dafür die Börse Bittrex an Bord zu holen – und mit ihr potenziell eine Million User. Ansonsten startet Lightning allerdings eher unspektakulär ins neue Jahr – auch wenn es ein paar Hoffnungszeichen gibt.

„Heute ändert sich die Welt,“ verkündet Jack Mallers großspurig, „das Fundament des Austausches von Werten in unserer Spezies geht in eine neue Epoche.“

Mallers, der die Lightning-Software Zap entwickelt, kündigt „Strike Global“ an. Der von ihm geführte Zahlungsanbieter Strike, der Dollar über das Lightning-Netzwerk versendet, expandiert von der USA in die ganze Welt. Nach und nach dürfen immer mehr User auf der ganzen Welt Dollar und andere Fiat-Währungen über das Lightning-Netzwerk schicken, so dass die Zahlung, egal von wo und wohin, beinah gebührenlos und in Echtzeit stattfindet.

Strike kooperiert dafür mit der Börse Bittrex Global, dem internationalen Ableger der US-Börse Bittrex. Die Kooperation ist für Strike äußerst lukrativ: Zum einen baut sie eine Rampe ins Lightning-Netzwerk für sämtliche Kunden von Bittrex – mehr als eine Million aus mehr als 200 Ländern. Zum anderen kann Bittrex Strike um alle Fiatwährungen und Stablecoins bereichern, mit denen die Börse hantiert, was unter anderem Euro, Schweizer Franken, Britische Pfund sowie Tether-Dollar (USDT) und Center-Collar (USDC) sind.

Für Bittrex hingegen dürfte Strike ein guter Partner sein, um sich an das Lightning-Netzwerk heranzutasten. Die Börse hat schon früh begonnen, mit einem Lightning-Knoten zu experimentieren, allerdings ohne dass dies bisher Resultate gezeitigt hätte. Eventuell wird die Integration von Strike ein erster Schritt für Bittrex in das Lightning-Netzwerk.

Einmal Lightning und zurück

Strikes Ziel ist es, die technischen Vorteile des Lightning-Netzwerks mit der (angeblichen) Stabilität von Fiatwährungen zu verbinden. „Mit Lightning ermöglicht das Bitcoin-Netzwerk ein mehr oder weniger kostenloses und unmittelbares physisches Settlement und ein finales Clearing … Nun, mit Strike, können die User das Bitcoin-Netzwerk mit nichts als ihrem Bankkonto oder ihrer Debitkarte benutzen. Sie brauchen nicht das Asset Bitcoin, um vom Netzwerk Bitcoin zu profitieren.“

Das ganze läuft etwa so ab: Strike belastet das Bankkonto des Users, der bezahlt, mit der entsprechenden Summe, wechselt diese in Bitcoin um, sendet die Bitcoin per Lightning zu einem anderen Knoten, von wo aus die Bitcoins automatisch gegen Euro gewechselt werden und als solche im Strike-Account des Verkäufers landen. All das passiert in wenigen Sekunden.

Das Ergebnis sei, erklärt Mallers, dass „jeder an jeden jeden Betrag an Geld senden kann, zu jeder Zeit, für keine Kosten. Wir haben nun ein offenes Netzwerk für Geld, das jeden Betrag physisch abrechnen kann, zu jeder Zeit, an jedem Ort, für quasi keine Kosten.“ Mit Strike könne man 10 Dollar von den USA an einen Europäer senden, der innerhalb von Sekunden Euro erhält.

Im Hintergrund wird Bittrex die Fiatwährungen verwalten, die etwa bei USDT oder USDC als ERC20-Token auf der Ethereum-Blockchain laufen. Strike selbst wird Ethereum nicht unterstützen, sondern die Token im Account bei Bittrex in der internen Datenbank spiegeln.

Schlanker werden mit mehr Mittelsmännern?

Die Bitcoin- und Lightning-Community begrüßt Strike Global mit Begeisterung. Vielleicht wird dies, endlich, dem Lightning-Netzwerk zum Durchbruch verhelfen. Allerdings dürfte schwer zu übersehen sein, dass Jack Mallers mit Strike eine Monstrosität an Komplexität errichtet hat – die zudem ein weiteres Komplexitätsmonstrum reitet, nämlich Lightning.

Wenn man mit Strike Global beispielsweise USDC versendet, stehen gleich fünf Mittelsmänner zwischen Sender und Empfänger: Center, Bittrex, Strike sowie die jeweiligen Banken. Auch wenn es zu funktionieren scheint, ist es fragwürdig, ob man einen Prozess nachhaltig verschlanken und verbessern kann, indem man nicht Mittelsmänner herausschneidet, sondern hinzufügt.

Das Lightning-Netzwerk wiederum ist jene brillante, aber auch verkopfte Skalierungslösung, welche es Bitcoin erlauben soll, beliebig viele Zahlungen anonym und in Echtzeit mit vernachlässigbaren Gebühren zu versenden. In der Theorie ist Lightning die Quadratur des Kreises und die Vollendung digitaler Zahlungen; in der Praxis scheitert das Netzwerk aber weiterhin an zahlreichen Problemen der Nutzbarkeit, von denen die Umständlichkeit der Einrichtung und die begrenzte Liquidität von Kanälen nur zwei sind.

Im vergangenen Jahr gab es verschiedene Versuche, der vielen Probleme Herr zu werden, wie sie auch schon von wissenschaftlichen Papers beschrieben wurden. Atomic-Multi-Path-Payments sowie Wumbo-Kanäle gelten zu Recht als großer Wurf, schaffen es allerdings nicht, die Probleme grundsätzlich zu lösen. Lightning-Zahlungen sind weiterhin sehr viel umständlicher als Zahlungen mit anderen Kryptowährungen, beispielsweise Bitcoin Cash, Bitcoin SV, Ripple oder Dash. Ebenso wirkt das Modell für Fiat-Zahlungen mit Strike wesentlich verkomplizierter als etwa Zahlungen mit dem Euro-Stablecoin EURB des Bankhaus von der Heydt auf der Stellar-Blockchain oder Token-Transfers auf anderen Blockchains wie Bitcoin Cash.

Der Vorteil von Lightning liegt nicht in der Technik, sondern in Bitcoin – was Jack Mallers ironischerweise beseitigen möchte.

Viel Stagnation und zarte Hoffnungsschimmer

Dementsprechend stagnierte die Lightning-Verbreitung im vergangenen Jahr. Während die Integration von Lightning-Zahlungen durch Bitfinex Ende 2019 Hoffnung gab, dass Lightning bei den Börsen durchmarschiert, sah 2020 keine nennenswerte Börse, die Lightning integriert hat. Bittrex könnte für 2021 als Hoffnungsschimmer gelten; die britische Börse CoinCenter hat kürzlich an das Offchain-Netzwerk bereits angedockt, und die US-Börse Kraken gelobt für 2021 dasselbe. Das gibt Anlass für vorsichtigen Optimismus.

Die Anzahl der Knoten im Lightning-Netzwerk erreicht ein Allzeithoch von 8300, was immerhin auf ein gewisses Wachstum hindeutet. Die Kapazität in Bitcoin stagniert bei gut 1000, was Lightning im Ranking der DeFis auf den 25. Rang drückt, während hingegen die Kapazität in Dollar kursbedingt einen Höchststand mit 40 Millionen feiert.

Trotz zarten Hoffnungsschimmern startet Lightning nicht wirklich pompös ins neue Jahr. Es gibt einen fast schon bemerkenswerten Mangel an interessanten, innovativen Neuigkeiten, und selbst die Integration von Lightning in die beliebte Wallet Electrum brachte nicht den Durchbruch. Gerade im Vergleich mit Ethereum zeigt sich, wie sehr Lightning auch 2020 stagniert. Dort ging nämlich mit Loopring eine Börse an den Start, die dank Optimistic Rollups auf einer Second-Layer läuft und beliebig große Wechsel in Echtzeit und kostenlos ermöglicht. Das Handelsvolumen beträgt mittlerweile mehr als 10 Millionen Dollar am Tag, und zieht ständig an. Aber das wäre eine andere Geschichte …

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