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Square kündigt Fonds für grünes Bitcoin-Mining an

Der Zahlungsdienstleister Square verkauft mit seiner CashApp schon lange Bitcoins. Nun kündigt das Unternehmen an, bis 2030 CO2-frei zu sein – und ruft die Bitcoin Clean Energy Investment Initiative ins Leben, die nachhaltiges Bitcoin-Mining unterstützen soll.

Kann man beides haben? Grün sein und Bitcoin lieben? Das Klima retten – und Bitcoins verchecken?

Geht es nach Square, ist die Antwort darauf „Ja“ – ein vorsichtiges, nicht ganz einfaches, aber optimistisches „Ja“. Der von Twitter-Boss Jack Dorsey gegründete Zahlungsdienstleister hat kürzlich verlautbaren lassen, dass er vorhat, bis zum Jahr 2030 vollständig CO2-neutral zu operieren. Dafür arbeitet das Unternehmen mit Watershed zusammen, um den CO2-Abdruck aller Operationen zu überwachen, und hat eine Roadmap zur CO2-Neutralität vorgelegt.

Aber – was ist mit Bitcoin? Jack Dorsey ist der vielleicht bekannteste Bitcoin-enthusiastische Tech-CEO, und Square eine der wichtigsten „allgemeinen“ Unternehmen, das voll auf Bitcoin-Kurs ist. Die von Square betriebene Cash App erlaubt es ihren Usern, in Bitcoins zu investieren, was von diesen reichlich in Anspruch genommen wird und dem Unternehmen ordentlich Gebühren einspielt. Square würdigte die bedeutende Rolle von Bitcoin für das Geschäft vor kurzem damit, dass die Firma 50 Millionen in die Kryptowährung investierte.

Und Bitcoin – nun, Bitcoin ist bekanntlich eine nimmersatter Stromfresser. Laut dem Bitcoin Energy Index von Digitonomist verbraucht der Betrieb der Kryptowährung mit 78 Terawattstunden im Jahr mehr Strom als Österreich. Das ist extrem viel, und extrem viel Strom bedeutet grundsätzlich ein potenziell hoher CO2-Ausstoß.

Wie passt das zusammen: Ein Tech-Unternehmen, das CO2-neutral sein will – aber maßgeblich Geld damit einnimmt, Einheiten einer Kryptowährung zu verkaufen, deren Produktion mit mehr CO2 einhergeht, als Square jemals ausstoßen könnte? Ist es die Scheinheiligkeit des Marketings, das keine Verantwortung für das übernehmen muss, was jenseits des eigenen Betriebsgeländes passiert, und der Zynismus der GuV-Rechnung, für die am Ende nur zählt, welche Zahl nach dem Komma steht?

Square erkennt zumindest an, dass Bitcoin „ein einzigartiger Teil von Squares Fußabdruck ist“, da das Unternehmen Kryptowährungen für die Kunden der Cash App kaufe. Daher möcht es mit der „Bitcoin Clean Energy Investment Initiative“ helfen, Bitcoin grüner zu machen: Square verspricht 10 Millionen Dollar an Unternehmen zu vergeben, die „dabei helfen, die Verbreitung und Effizienz erneuerbarer Energien im Bitcoin-Ökosystem zu stärken.“

Der Fokus liegt dabei natürlich auf dem grünen Mining. Das Ziel ist es, „den Umstieg auf saubere Energien zu beschleunigen, anstatt lediglich den CO2-Fußabdruck für die Bitcoins zu beseitigen, die Square prozessiert.“ Square hat vor, „sämtliche Erlöse durch Investments an die Initiative zurückzugeben“, und erkundet derzeit die Möglichkeit, die Initiative für die Teilnahme anderer Unternehmen zu öffnen, um ihre Wirkung zu erhöhen.

„Wir glauben,“ kommentiert Jack Dorsey persönlich, „dass Kryptowährungen einmal vollständig durch saubere Energien betrieben werden, was ihren CO2-Fußabdruck eliminiert und die globale Nutzung von erneuerbaren Energien vorantreibt.“ Er meint ferner, dass es Hinweise gebe, „dass Bitcoin bereits heute einen signifikanten Anteil an sauberen Energien verbraucht.“

Ist das so? Wir haben hier schon vor langer Zeit darüber spekuliert, dass das Mining zu grünen Energien tendiert. Allein schon deswegen, weil Mining eine extrem mobile Industrie ist, deren einziger maßgeblicher Kostenfaktor der Strompreis ist, der in der Theorie dort am niedrigsten sein sollte, wo die Natur CO2-frei Strom im Überschuss verschenkt, beispielsweise an den heißen Quellen Islands oder den großen Staudämmen in Nordeuropa, Asien und Südamerika. Diese Vermutung wurde auch bereits durch mehrere Studien gestützt.

Der Bitcoin weniger wohlgesonnene Digitonomist nimmt auf seiner Webseite auch diese Vermutung ins Fadenkreuz. Er zitiert mehrere Studien, die untersuchen, wo konkret Bitcoins gemined werden und welche Energiequelle sie dabei verbrauchen. Dadurch landet er bei der Schätzung, dass rund 39 Prozent des Bitcoin-Minings erneuerbare Energien verbrauchen. Das ist etwas weniger als der Anteil der Erneuerbaren in Deutschland, der bei 42 Prozent liegt, aber deutlich höher als der weltweite Anteil mit gut 24 Prozent.

Klar ist aber auch: 39 Prozent sind angesichts des Stromhungers von Bitcoin viel zu wenig. Man kann daher nur hoffen, dass die Initiative von Square erfolgreich ist.

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