Technical analysis & news on Blockchain & Cryptocurrencies | Coincronica
Dienstleistungen Nachrichten

OKEx-Gründer Star Xu verschwindet, und eine der größten Kryptobörsen der Welt setzt die Auszahlungen aus

Derzeit entfaltet sich eine mysteriöse Geschichte um die internationale Börse OKEx: Ihr Gründer Star Xu ist verschwunden, nachdem er mit der chinesischen Polizei zusammengearbeitet hat. Gleichzeitig setzt die Börse die Auszahlungen aus, angeblich, weil ein Besitzer der privaten Schlüssel abhanden gekommen sei. Doch die Aussagen werden widersprüchlich. Was passiert gerade?

Die große internationale Börse OKEx gab am 15. Oktober bekannt, die Auszahlungen auszusetzen. OKEx ist aus der chinesischen Börse OKCoin hervorgegangen und richtet sich an an internationale Trader. Mit einem Handelsvolumen von mehreren Milliarden Dollar am Tag gehört OKCoin zu einer der umsatzstärksten Kryptobörsen überhaupt.

Bemerkenswert ist aber vor allem der Grund für das Aussetzen der Auszahlungen, den die Börse in etwas kryptischen Sätzen mitteilt: „Einer der Besitzer unserer privaten Schlüssel kooperiert derzeit mit einem öffentlichen Sicherheitsbüro bei einer Ermittlung. Wir haben den Kontakt zu dem betreffenden Besitzer des privaten Schlüssels verloren. Daher kann die assoziierte Authorisierung nicht vervollständigt werden.“

Die Börse benutzt Multi-Sig-Adressen zur Verwahrung von Kryptowährungen. Das bedeutet, dass eine Transaktion mit mehreren Schlüssel signiert werden muss. Ein solches System gilt als besonders sicher. Nun sagt OKEx, einer der Besitzer der Schlüssel sei nicht mehr erreichbar, da er mit „öffentlichen Ermittlern“ zusammenarbeite. Daher kann die Börse die notwendige Signatur für Auszahlungen nicht generieren.

Das wäre natürlich viel zu merkwürdig, um wahr zu sein. Kann eine große, professionelle Börse tatsächlich das Risiko eingehen, sich von einer einzelnen Person so abhängig zu machen, dass deren Verschwinden quasi zur Auflösung aller Coins führt? Denn wenn die Kryptographie so funktioniert, wie sie es sollte, gibt es absolut keine Möglichkeit, die Coins ohne den fehlenden Schlüssel zu bergen.

Im Falle von OKEx wären das vermutlich Coins im Wert einiger Milliarden Dollar. Diese Coins wären auf der Blockchain für jeden sichtbar, aber so unerreichbar, als würden sie in einer fremden Galaxie kreisen. Wir hätten ein klassisches Beispiel dafür, dass Sicherheit und Sicherheit nicht dasselbe sind und dass mehr Sicherheit gegen Diebe zu weniger Sicherheit gegen Unfälle führen kann.

Aber es ist viel zu schwer vorstellbar. Wie sollte das denn operativ funktionieren? Sollte der nun verschwundene Schlüssel-Besitzer jede einzelne Auszahlung von OKEx eigenhändig signieren? Das wäre vollkommen unmöglich. Muss er nur einen Teil der Transaktionen signieren? Hat er ein Programm auf seinem Computer laufen, das Transaktionen automatisch signiert?

Aber wenn diese Erklärung so unwahrscheinlich ist – warum schürzt OKEx sie vor? Es gibt eigentlich keinen größeren Unfall als das. Was ist wirklich passiert?

Dramatischer wurde die Geschichte noch, als herauskam, um wen es sich mutmaßlich handelt: Xu Mingxing, auch bekannt als Star Xu, der Gründer von OKCoin und OKEx. Von ihm heißt es in einer Meldung des chinesischen Portals Caixin, er habe zuvor mit Ermittlern „im Bereich der öffentlichen Sicherheit“ zusammengearbeitet und sei vor damals mindestens einer Woche „von der Polizei weggebracht“ worden. Auch diese Meldung lässt mehr Fragen entstehen, als sie beantwortet. Wurde Star Xu verhaftet? Oder arbeitete er mit Ermittlern zusammen und wurde nun in eine Art Zeugenschutzprogramm gebracht, weil man um sein Leben fürchtet?

Mittlerweile sind rund 11 Tage vergangen. OKEx zahlt noch immer keine Kryptowährungen aus, aber es gibt einige Neuigkeiten, die allerdings auch kaum geeignet sind, mehr als neue Gerüchte anzufachen.

Zum einen hat OKEx den P2P-Handel, über den User mit verschiedenen Währungen Kryptowährungen kaufen können, wieder aktiviert. Colin Wu aus China kommentiert dies damit, dass dies indirekt zeige, „dass die Polizeiuntersuchung tatsächlich nichts damit zu tun hat, dass OKEx in Geldwäsche involviert ist, sondern es eher um ein persönliches Problem des Gründers geht.“ Würde die Polizei versuchen, eine aktive Geldwäsche zu unterbinden, dürfte OKEx kaum den P2P-Handel eröffnen. Dieser gilt als besonders anfällig für den Missbrauch durch Geldwäsche.

Gestern kommentierte Xu Kun von OKEx die Lage: Es gebe viele Gerüchte, „die die Sicht aller verwirren“. Die grundlegende Prämisse sei falsch, die Trader sollten „nicht blind zuhören“. Aber weitere Infos könne er auch nicht bekanntgeben. Auch Jiu Mei, ein Manager von OKCoin, sagte, so ein auf WeChat zirkulierender Artikel, es habe „nichts mit ihm zu tun“, nachdem er gefragt wurde, ob sich Xu Mingxing weigere, Auszahlungen zu bestätigen. „Mit höherer Gewalt können wir das Problem nicht lösen. Wir diskutieren aber einen Plan.“

Das, was auf der Webseite von OKEx stand, ist also vollkommen falsch? Es geht nicht um einen Besitzer der privaten Schlüssel? Oder war damit gar nicht Sun Xu gemeint? Und meint die höhere Gewalt die chinesische Regierung, aber Jiu Mei darf das nicht so sagen?

Der Artikel folgert daraus, dass es eher unwahrscheinlich sei, dass die Auszahlungen wegen dem Verschwinden von Sun Xu ausgesetzt sind. Vielmehr habe wohl „die Polizei die Auszahlungen zur Untersuchung eingefroren“. Es wäre also keine technische Unmöglichkeit, die Coins auszuzahlen, sondern ein juristisches Problem. Die Coins schweben nicht in einer anderen Galaxie, sondern sind unter polizeilichem Verschluss.

Das wiederum scheint Colin Wus Kommentar zu widersprechen, es gehe nicht um Geldwäsche durch OKEx. Zumindest vordergründig. Hintergründig könnte man an Gerüchten ansetzen, dass die Polizei wegen Geldwäsche durch eine Underground-Bank ermittelt , an der Xu Mingxing selbst beteiligt war. Damit würde es, wie Collin Wu vermutete, um ein persönliches Problem des Gründers gehen.

Aber warum muss man deswegen gleich alle Auszahlungen aussetzen? Der Artikel spekuliert, dass die betroffenen Gelder, die im Verdacht der Geldwäsche stehen, „innerhalb von OKEx zirkulieren.“ Daher müssten sämtliche Auszahlungen bis zum Abschluss der Ermittlungen eingefroren werden. Die Behauptung, dass es am fehlenden Schlüssel liegt, wäre demnach also eine Nebelkerze gewesen, weil OKEx die Wahrheit nicht sagen darf, wie es in Angelegenheiten der Geldwäsche oft so ist, aber das Aussetzen von Auszahlungen nun einmal eine Erklärung verlangt. Mit der kryptischen Formulierung und der Nähe zur Wahrheit – dem verschwundenen Gründer – könnte es sich um eine passende Ausrede gehandelt haben. Aber wer weiß?

Der Artikel endet mit einem nebulösen, aber doch treffenden Zitat von Colin Wu. Die Realität habe oft mehrere Aspekte, und in der normalen Welt ist die vernünftige Erklärung zu 99 Prozent die richtige. In der Kryptowelt könnte dagegen die unangemessene Erklärung, die nur zu 1 Prozent richtig ist, die gültige sein. Aber man wisse es nie. „Kurz gesagt, im Zusammenhang mit Chinas Vorgehen gegen Geldwäsche und Kryptowährung hängt das Damoklesschwert tatsächlich aus allen Blickwinkeln über der Branche.“

Related posts

Bitcoin-Preis fällt wieder unter 8.000 Dollar

Kathrin Jung

Der „echte“ Bitcoin-Dominanz-Index liegt nicht bei gut 60, sondern bei knapp 80 Prozent

Kathrin Jung

Stablecoins und Sammelgames

Kathrin Jung