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Lightning vs. Liquid

Im Lightning-Netzwerk wächst die Anzahl der öffentlichen Kapazität wieder deutlicher. Schneller steigt allerdings die Anzahl an Bitcoins, die in Blockstreams Liquid-Netzwerk eingelagert sind. Die beiden Offchain-Lösungen konkurrieren miteinander. Ein Thema ist dabei auch die Privatsphäre. Lightning ist zwar an sich privater – doch wie zwei wissenschaftliche Paper zeigen, gibt es noch viele Angriffe gegen die Privatsphäre im Netzwerk.

Um das Lightning-Netzwerk wurde es in den letzten Monaten etwas still. Die erhoffte Massenakzeptanz bleibt vorerst aus, und das Offchain-Netzwerk scheint auch nicht, wie manchmal erwartet, Bitcoin zum Durchbruch als Zahlungsmittel verholfen zu haben. Immerhin hat vor kurzem der große vietnamesische Reiseanbieter future.travel neben anderen Krypto-Zahlungen auch Lightning akzeptiert. Geholfen hat dabei der Zahlungsdienstleister Neutronpay.

Eher optimistisch muten mittlerweile auch die Statistiken zum Lightning-Netzwerk an. Nachdem sowohl die Anzahl an Payment-Channels als auch die öffentlich sichtbare Kapazität des Netzwerks im April vergangenen Jahres einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte, sanken die Werte rund ein halbes Jahr lang fortlaufend. Nun deutet sich eine Trendwende an. Waren Anfang November nur rund 811 Bitcoins im Lightning-Netzwerk, stieg die Anzahl mittlerweile wieder auf mehr als 950. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dürfte Lightning in einigen Monaten seinen bisherigen Höchststand toppen.

Kapazität in öffentlichen Lightning-Channels nach Bitcoin Visuals. Die orangene Linie stellt die Kapazität in Bitcoin dar, die blaue in Dollar.

Deutlich rascher steigt allerdings eine andere Offchain-Lösung auf: Blockstreams Liquid-Sidechain. Schon im März hatte die Sidechain die Kapazität von Lightning knapp überholt. Im April ist sie noch einmal drastisch gestiegen und ist mit gut 2.000 Bitcoins auf der Sidechain – die sogenannten L-BTC – mehr als doppelt so hoch. Zwar sind die meisten Blöcke auf der Sidechain weiterhin eher leer. Aber die Nachfrage von Börsen und anderen Unternehmen scheint zu steigen. Ende März hat Blockstream bekanntgegeben, dass zehn weitere Partner der Liquid-Federation beitreten. Die meisten sind eher unbekannt, aber der Hardware-Hersteller Ledger sowie die P2P-Börse Hodl Hodl sind recht große Namen. Damit sind insgesamt 42 Unternehmen dem exklusiven Sidechain-Club beigetreten. Mit 166 „Assets“ – das meint vermutlich Token – möchte Liquid auch in Konkurrenz zu Ethereum treten, wo freilich etwa 100 oder 1000 Mal so viele Token hausen.

Anzahl existierender Liquidt-BTC nach Liquid.net

Damit stehen nun zwei Offchain-Lösungen in Konkurrenz zueinander. Lightning ist dezentraler, stärker Community-orientiert und löst das Skalierungs-Problem, indem es dessen Kern – die Blockchain – einfach umgeht. Liquid dagegen ist zentralisierter, entfernt die Erlaubnisfreiheit aus dem System und verschiebt das Skalierungsproblem lediglich auf eine andere Blockchain. Allerdings ist Lightning schwieriger zu benutzen und kann insbesondere bei größeren Beträgen nicht mit Liquid konkurrieren. Bei der Privatsphäre ist ein Vergleich schwierig. Liquid ist eine offen einsehbare Blockchain, die allerdings erlaubt, die in einer Transaktion übertragene Anzahl an Bitcoins durch „Confidential Transactions“ zu verschleiern. Lightning ist an sich sehr viel privater, weil es keine Blockchain mehr gibt, sondern die Transaktion nur dem Sender und Empfänger bekannt ist.

Allerdings haben zwei Paper gezeigt, dass die Privatsphäre bei Lightning dennoch angreifbar ist. Das erste Paper erschien Ende März mit dem Titel „An Empirical Analysis of Privacy in the Lightning Network„. Es zeigt mehrere Angriffe auf, um Informationen zu gewinnen, die im Lightning-Netzwerk eigentlich geheim bleiben sollten. Die Forscher haben diese Angriff zuerst in einer Simulation und dann im echten Netzwerk getestet. Zwei der Angriffe zielen darauf ab, die individuellen Guthaben von Payment-Channels zu erfahren, anstatt lediglich die öffentlich sichtbaren gesamten Guthaben. Weitere Angriffe enthüllen den Pfad von Zahlungen sowie Sender und Empfänger. Keiner der Angriffe funktioniert zu 100 Prozent, aber viele mit einer Erfolgschance von mehr als 50 Prozent.

Das zweite Paper erschien Anfang April. Dieses führt im Detail aus, wie ein Angreifer die individuellen Guthaben von Payment-Channels erfahren kann. Ihr Resultat ist, dass diese Guthaben nicht als privat zu erachten sind. Sie schlagen Methoden vor, um solche Angriffe zu verhindern. Zusammen zeigen die beiden Paper, dass Lightning nicht so privat ist, wie manchmal gesagt wird – aber auch, dass es möglich ist, Angriffe zu verhindern. Denn wenn das Lightning-Netzwerk Informationen enthüllt, die eigentlich privat sein sollten, ist dies kein inhärentes, systemisches Problem – sondern eines der Umsetzung. Dies jedoch verdeutlicht einmal mehr, dass das Netzwerk für offchain-Zahlungen weiterhin im Alpha- oder Betamodus ist: Es ist so neu, und führt so viele neue Konzepte und Methoden ein, dass es noch lange dauern wird, bis alles verstanden und entwickelt ist. Die Liquid-Sidechain, die in relativ vertrautem Territorium navigiert, hat es da einfacher.

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