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Krypto-Unternehmer Brock Pierce bewirbt sich als US-Präsident

Der Early Adopter und Investor Brock Pierce hat sich für das Amt des US-Präsidenten beworben. Seine Chancen sind zwar eher winzig – doch die Kandidatur gibt ihm Gelegenheit, einigen wichtigen Themen Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Eine Mindestvoraussetzung für das Amt des US-Präsidenten hat Brock Pierce schon mal erfüllt: Er hat ziemlich viel Geld. Der ehemalige Kinderschauspieler hatte schon vor Bitcoin mit virtuellen Währungen Geld verdient und stieg früh in Bitcoin ein. Nachdem er einige Jahre die Bitcoin Foundation leitete, gründete er Block.one, eine Investmentfirma, die etwa hinter der gigantischen ICO von EOS steht. Auch wenn keine konkreten Zahlen bekannt sind, dürfte sein Vermögen hunderte Millionen oder auch mehr als eine Milliarde Dollar umfassen.

Nun möchte Brock Pierce Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Er hat seine Bewerbung für die Wahl am 3. November letzte Woche angekündigt. In einem Video stellt er sich als Kinderschauspieler und Unternehmer vor, der große Dinge aus Nichts gemacht hat. Er tritt an, weil die Nation gespalten ist, und er Rechts und Links und Arm und Reich wieder harmonisieren möchte. Seine wichtigen Themen sind Freiheit und Technologie. Technologie solle benutzt anstatt gefürchtet werden. Er habe die Antworten, um die Nation mit den Technologien des 21. Jahrhunderts wieder aufzubauen, auch wenn er nicht perfekt sei.

Pierce hat dabei eine nicht ganz unproblematische Vergangenheit. Ihm wurde vor mehr als zehn Jahren von ehemaligen jugendlichen Angestellten vorgeworfen, sie unter Drogen gesetzt und sexuell belästigt zu haben. Zwar konnte er den Vorwurf dementieren und seine Ausbreitung dank dem harten Vorgehen seiner Anwälte verhindern. Doch er steht weiterhin im Raum. Ihm ist klar, dass er durch seine Kandidatur durchleuchtet werden wird und dass die anderen Kandidaten jeden Schmutz, der über ihn zu finden ist, ausnutzen werden. Doch er sei, erklärt er in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox, offen wie Glas. Er habe Fehler gemacht und trage die Narben davon. Aber er habe nichts zu verbergen.

Brock Pierce ist ein durchaus charismatischer Redner und Selbstdarsteller. Sein Auftritt in einem Fireside Talk auf der letzten UNCHAIN-Konvention war so mitreissend wie unterhaltsam. Die meisten Berichte aus den Krypto-Kreisen zeichnen ihn als eine einnehmende, faszinierende Persönlichkeit. Er lege wenig Wert auf Luxus und Geld, sondern atme dafür, die Welt zu verbessern und spirituelle Reifung zu finden. Ohne Zweifel ist er eine herausragende Figur im Krypto-Universum.

Dennoch dürfte Pierce nicht das Format haben, das ein US-Präsident benötigt; es ist schwer vorstellbar, dass der kleine Mann mit dem etwas maushaften Gesicht und der leicht quietschigen Stimme die Amerikaner genügend begeistert, um ohne die Hilfe eines Parteiapparats auch nur den Hauch einer Chance auf das Amt zu haben. Zudem dünstet das von ihm geplante Krypto-Utopia auf Puerto Rico den Geruch einer Steueroase für ICO-Millionäre aus, was keine gute Voraussetzung ist, um ein Land zu heilen, in dem die Schere zwischen Arm und Reich mittlerweile eine den sozialen Frieden gefährdende Weite erreicht hat.

Man könnte dem etwas narzistischen Pierce nun Größenwahn unterstellen. Ist ihm das viele Geld und der Erfolg in Krypto nun vollends zu Kopf gestiegen? Doch in einem Fireside Talk auf der digital stattfindenden Unitize Konferenz am 7. Juli zeigt er, dass er einen kühlen Kopf behält und seine Chancen relativ realistisch sieht. Er vergleich seine Kandidatur mit der von Ron Paul, der sich drei Mal vergeblich um das Amt beworben hatte, aber dem es dabei gelang, Aufmerksamkeit für bestimmte wirtschaftspolitische Themen zu schaffen. Selbst wenn die Chance, dass Pierce Präsident wird, nichtig gering ist, gibt ihm seine Kandidatur die Chance, „eine Menge sehr wichtiger Diskussionen auf die Agenda zu setzen.“

Diese Themen werden natürlich Technologie, Freiheit und das Unternehmertum sein. Im Fox-Interview erklärt Pierce, dass er überzeugt sei, dass die Blockchain-Technologie den USA sehr viel helfen können, und dass Kryptowährungen die finanzielle Inklusion vorantreiben könnten. Sollte es ihm gelingen, diesen Themen tatsächlich mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, wird sich seine Bewerbung als Präsident gelohnt haben. Aber vermutlich rechnet sich Pierce, trotz der an sich kühlen Betrachtung, insgeheim bessere Chancen aus, als er zugeben möchte.

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