Technical analysis & news on Blockchain & Cryptocurrencies | Coincronica
Dienstleistungen Nachrichten

Krypto-Börse ausgewählt, um 18 Millionen konfiszierte Dollar an Gesundheitskräfte in Venezuela zu verteilen

AirTM, eine lateinamerikanische Börse für digitale Währungen und Dollar, verteilt 18 Millionen Dollar, die die US-Regierung von Venezuelas Staatsführer Nicolas Maduro konfisziert hat, unter 62.000 Mitarbeitern im venezuelanischen Gesundheitswesen. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind offenbar bereits ein fester Teil der Finanzinfrastruktur nach Venezuela.

„Eine absolut unglaubliche Story aus Venezuela,“ twitterte der Datenanalyst Matt Ahlborg, „AirTM, eine von Coinbase unterstützt Börse für digitale Währungen, wurde auserwählt, um 18 Millionen Dollar, die die US-Regierung von der Maduro-Regierung konfisziert hat, unter 62.000 Mitarbeiter im Gesundheitswesen Venezuelas zu verteilen.“ Der Anführer der Opposition in Venezuela, Juan Guaido, pries AirTM, nachdem die P2P-Börse die Pläne bekanntgegeben hat, digitale Dollar auf eine zensurresistente Weise zu verteilen.

AirTM ist einer der Hoffnungsschimmer im maroden Finanzsystem des von der Hyperinflation geplagten Venezuelas, den es ohne Bitcoin und andere Kryptowährungen niemals gegeben hätte. Man könnte es als eine Art Brücke zwischen Krypto und Dollar für Venezuelaner bezeichnen. Laut Eigenbeschreibung nutzen „hunderttausende von venezuelanischen Individuen und Unternehmen seit 2015 die in US-Dollar denominierten E-Wallets von AirTM sowie das P2P-Netzwerk, um ihren Wohlstand zu erhalten: Um in Dollar zu sparen, um Geld für Online-Arbeiten zu erhalten und um grenzüberschreitende Zahlungen zu machen.“ AirTM sei „einer der letzten zuverlässigen und freien Finanzanbieter in Venezuela, der Venezuelaner hilft, indem er sie mit großzügigen Individuen, Unternehmen und Organisationen der Krypto-Community verbindet.“ So erlaubt AirTM es den Usern, venezuelanische Bolivar oder auch die verschiedensten Kryptowährungen gegen Dollar zu tauschen.

Zwar sollen die von der US-Regierung beschlagnahmten Gelder in digitalen Dollar ausgeschüttet werden. Allerdings sind Kryptowährungen „ein essenzieller Teil von AirTMs einzigartiger mit Blockchain und Banken verbundener Dollar-Wallet – unser Netzwerk würde nicht funktionieren ohne Bitcoin und andere onchain Assets, die über Grenzen springen können.“

Darum wohl hat auch die große US-Börse Coinbase in das Startup investiert. Wieviel Dollar Coinbase investiert hat, ist nicht bekannt; schon zuvor hatte AirTM unter Leitung des in Berlin ansässigen Fonds Blue Yards Capital ein Investment von sieben Millionen Dollar erhalten. In der Kryptoszene könnte AirTM für den #AirdropVenezuela bekannt sein: Die Börse hat die Krypto-Szene zu Spenden aufgerufen, um diese an registrierte User aus Venezuela auszuschütten. Durch den Airdrop kamen Spenden von insgesamt gut 300.000 Dollar zusammen, die AirTM an 60.000 User weiterleitete. An vorderster Stelle stand dabei übrigens Bitcoin Cash, vermutlich durch eine großzügige Spende von Roger Ver und seinem Bitcoin.com. Im Gegensatz dazu hat Zcash, trotz einer öffentlichkeitswirksamen Partnerschaft, übrigens nur wenige tausend Dollar in ZEC gespendet.

Präsident Maduro ist natürlich nicht besonders erfreut darüber, dass AirTM das Geld, das er nicht mehr besitzt, an die Angestellten im Gesundheitswesen verteilt, die durch seine Misswirtschaft kaum mehr ein Gehalt bekommen. Wie die spanische Ausgabe von CoinTelegraph berichtet, hat die Regierung daher prompt den Webzugriff auf AirTM blockiert, und zwar direkt auf der DNS-Ebene der Provider. Solche Blockaden sind für die in Mexiko beheimatete P2P-Börse mit ihren zahlreichen, dezentral verteilten Agenten nichts Neues. Schon als AirTM einen Dollar-Wechselkurs verwendete, der nicht im Einklang mit den offiziellen Kursen der Regierung stand, sondern sich am Schwarzmarkt orientierte, verhängte die Regierung eine Blockade. Die Börse versucht nun, die Blockade zu brechen, indem sie den Usern beibringt, wie sie diese mithilfe Virtueller Privater Netzwerke (VPNs) umgehen können.

Bitcoin und andere Kryptowährungen wurden in Venezuela bereits zu einem weit verbreiteten Finanzinstrument. Unter dem Druck der seit langem kollabierten Währung Bolivar, einem im Zuge der finanziellen Not immer diktatorischer agierenden Regime sowie immer surrealer offizieller Preisraten und Kapitalkontrollen greifen mehr und mehr Venezuelaner zu Bitcoin und anderen Währungen. Einerseits, um Geld zu verdienen, etwa durchs Mining oder durch Online-Jobs, andererseits, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Eine kurze Studie von Ahlborg aus dem Frühjahr demonstriert, wie weit dieser Effekt schon geht.

Der Analyst beobachtete die Folgen eines Stromausfalls in Venezuela auf die Handelsaktivität auf der P2P-Börse Local Bitcoins. Natürlich brach das Volumen auf der venezuelanischen Börse ein, als der Strom ausfiel. Das ist keine Überraschung. „Die Story nimmt aber eine interessante Wendung, wenn wir uns die Aktivität anderer lateinamerikanischer Währungen anschauen.“ Bei sämtlichen anderen lateinamerikanischen Währungen, beim kolumbianischen, mexikanischen, chilenischen Peso, bei der peruanischen Sol, sogar beim US-Dollar – bei allen brach das Volumen auf LocalBitcoins ebenfalls ein.

Laut Ahlborg wird Bitcoin in Lateinamerika vor allem „als Brückenwährung zwischen Fiatwährungen genutzt, um Werte nach und aus Venezuela heraus zu transportieren.“ Oft geschieht dies durch die vielen Migranten, die Venezuela im Lauf der vergangenen Jahre verlassen haben, die beispielsweise versuchen, ihr Vermögen ins Ausland zu bringen oder aus dem Ausland heraus Geld an ihre Verwandten schicken, ohne dabei an den Kapitalkontrollen hängenzubleiben. Jeder Transfer verlangt also zwei Trades auf LocalBitcoins: Etwa den Kauf von Bitcoins durch den Bolivar, und dann den Verkauf von Bitcoins gegen einen kolumbianischen Peso. Wenn daher die Lichter in Venezuela ausgehen, bricht der Bitcoin-Handel in ganz Lateinamerika ein.

Soweit hat sich Bitcoin also schon ins lateinamerikanischen Finanzsystem um Venezuela herum eingebrannt – soweit, dass selbst die US-Regierung offenbar keinen zuverlässigeren Partner bei der Verteilung konfiszierter Gelder findet als eine Börse, die auf Kryptowährungen aufbaut.

Related posts

BitBond wird Kapitalmarktpartner bei der Börse Düsseldorf

Kathrin Jung

Für mehr Privacy: Electron Cash bringt CashShuffle in die Wallet

Kathrin Jung

Die beliebteste Seite, um Kryptopreise anzuschauen, wechselt für fast eine halbe Milliarde Dollar den Besitzer

Kathrin Jung