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Knete ist Knorke: Die Münze trollt!

Die Staatliche Münze Berlin prägt Bitcoin-Münzen – allerdings nicht aus Leidenschaft für die Kryptowährung, sondern um die Bitcoin-Szene auf die Schippe zu nehmen. Neben einem gelungenen Scherz enthält die Botschaft der „Münze“ auch eine handfeste ökonomische Kritik an Bitcoin als Währung und Geld – die wir aber nicht teilen.

Eigentlich erwartet man von staatlichen Institutionen, dass sie bierernst, staubtrocken und humorlos sind. Die Staatliche Münze Berlin, jene Anstalt, die ein Fünftel der in Deutschland umlaufenden Euro-Münzen prägt, widerlegt dieses Klischee. Mit der Prägung von Bitcoins springt sie nicht nur auf einen Trend auf – sondern zieht auch und vor allem die Bitcoin-Szene durch den Kakao. Man könnte sagen, die Münze trollt, sie reiht sich ein in die Tradition der sogenannten „Buttcoiner“, die Bitcoin mit Sarkasmus und Zynismus kritisieren. Das ist umso lustiger, weil es unerwartet kommt und so gar nicht zu einer staatlichen Münzprägeanstalt passen will.

Im Online-Shop der Institution kann man also seit einiger Zeit auch Bitcoin-Münzen kaufen. Das sind Metallmünzen mit einer Goldlegierung, die auf einer Seite das Bitcoin-Logo zeigen, und auf der anderen je nach Modell entweder einen QR-Code oder IT-Pioniere wie Konrad Zuse, Heinz Nixdorf oder Ada Lovelace. Witzig wird es, wenn man sich die Seite mit dem Bitcoin-Logo genauer anschaut. Links von dem Bitcoin-B steht „Knete ist Knorke“, rechts steht „in ECB we trust“, was übersetzt bedeutet: „Wir vertrauen in die Europäische Zentralbank“ – also etwa genau das Gegenteil von dem meint, was viele Bitcoiner denken.

Rückseite der Bitcoin-Münze mit dem Berliner Computer-Pionier Konrad Zuse.

Nicht weniger trollig wird es in der Beschreibung der Münzen. „Bitcoin aus der Münzprägeanstalt der Hauptstadt“, verspricht der Titel. Danach fordert die Münze ihre Kunden auf, „sich ein einzigartiges Erlebnis“ mit den Bitcoins der Prägestätte zu verschaffen. „Mit dieser Bitcoin können Sie alles, außer Einkaufen. Die Bitcoins der Münze Berlin sind kein Geld und haben damit fast genauso wenige Zahlungsmittelfunktionen wie digitale Bitcoins.“ Dafür seien die Münzen aus der Münze „umweltfreundlicher als die digitale Version,“ worauf der Vermerk folgt, wie viel Strom Bitcoin im Jahr verbraucht. Zudem wirbt die Institution damit, dass ihre Münzen eine längere Lebensdauer als echte Bitcoins hätten. „Münzen erreichen mühelos ein Alter von mehreren tausenden Jahren. Das Internet ist noch nicht einmal 50 Jahre alt.“

Abseits des trocken-witzigen Trollens der Münze steht dahinter auch eine Botschaft. Die Shopping-Seite für die Bitcoins verlinkt auf ein PDF, in dem Carl-Ludwig Thiele und Martin Thiel, beide von der Deutschen Bundesbank, Bitcoin kritisieren. Ich konnte es nicht testen, würde mich aber nicht wundern, wenn der QR-Code auf einer der Bitcoin-Münzen auf genau diesen Artikel hinführt. Das Dokument ist vom 23. November 2017, und es könnte interessant werden, zu schauen, wie handfest die Kritik der beiden Bundesbanker ist.

Nur Zentralbank-Geld kann stabil sein

Zunächst einmal definieren die Banker eine Währung als „die Verfassung und Ordnung des Geldwesens eines Staates, im engeren Sinne auch die jeweilige Geldeinheit. “ Nach dieser Definition ist Bitcon natürlich keine Währung, was wohlfeil ist, da mit Bitcoin gleich die ganze Idee privater, nicht-staatlicher Währungen ausgeschüttet wird. Für die Notenbanker kann es keine Währung ohne Staat geben.

Was allerdings möglich ist, ist ein Geld ohne Staat. Geld definiere sich „aus der Erfüllung dreier Funktionen: Es dient als Zahlungsmittel, als Wertaufbewahrungsmittel und als Recheneinheit.“ Diese Eigenschaften erfülle Bitcoin nicht, weshalb es auch kein Geld sein könne.

Immerhin gestehen die beiden Bundesbanker Satoshi zu, ein „modernes bargeldähnliches Zahlungsinstrument für das digitale Zeitalter“ geschaffen zu haben, das dritte Parteien aus Transaktionen ausschließt und „intermediationsfreie Wertüberträge“ leistet, „die sonst nur mit Bargeld im Nahbereich möglich sind“. Die Technologie scheint die Notenbanker zu beeindrucken. Ebenso die ökonomischen Anreize in Bitcoin. Dass die Miner als Entlohnung für die Verifikation von Transaktionen Bitcoins erhalten, also die „Verteilung der Seignioirage (Gewinn aus der Geldschöpfung) an die operativen Kosten beim Betrieb des Systems“ gekoppelt ist, finden sie „eine pragmatische Lösung.“

Allerdings sei Geld nicht technisch, sondern ökonomisch zu definieren. Ein wichtiger Aspekt sei die Stabilität des Tauschwertes. „Der Wert des Geldes bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage. Da sich, vereinfacht dargestellt, die Nachfrage des Geldes durch reales Wirtschaftswachstum und veränderte Umlaufgeschwindigkeit ändern kann, muss auch das Angebot angepasst werden, damit der Wert des Geldes stabil bleibt.“ Eine starre Geldmenge, oder, wie bei Bitcoin, „eine algorithmisch vorbestimmte Entwicklung derselben“, erfüllten diese Anforderung nicht. Dies zeige die Erfahrung mit dem Goldstandard, der keine Stabilität des Geldwertes im Verhältnis zu einem Warenkorb erreicht habe.

Die einzige Lösung, die sich die Bundesbanker vorstellen können, ist das, was wir heute haben: Eine Zentralbank, die auf die Geldmenge steuernd eingreift, während sie als Emittent des Geldes dessen Wertanker ist, weil jeder Euro eine Forderung an die Zentralbank repräsentiert. Die Zentralbank müsse dazu unabhängig von der Regierunug sein, dürfe keine direkte Staatsfinanzierung betreiben und müsse einer stabilitätsorientierten Geldpolitik verpflichtet sein. „Es ist unsere feste Überzeugung, dass die Einhaltung dieser drei Bedingungen unabdingbar ist, damit eine Währung langfristig stabil bleiben kann.“

Bitcoin, so die Banker, habe keinen intrinsischen Wert, sondern nur einen Tauschwert. Es gibt keine andere Verwendung für die digitalen Münzen, und keinen Emittenten, der sie zurücknehmen muss. Die Regierung von Kryptowährungen (Governance) ist intransparent, das stetige Entstehen neuer Währungen eine Art Inflation, die den Geldwert destabilisiert. All das sind Gründe für die volatilen Wertschwankungen. Bitcoin sei kein Geld, sondern ein Spekulationsobjekt.

Was ist ein Experiment: Goldgeld oder Fiatgeld?

Die gesamte Argumentation ist ein wenig zirkulär: Bitcoin sei keine Währung, weil Währung als das Geldwesen eines Staates definiert wird; Bitcoin könne keinen stabilen Geldwert haben, weil angenommen wird, dass ein stabiles Geld eine Institution wie die Europäische Zentralbank benötigt. Das Resultat folgt nicht dem Argument, sondern das Argument dem Resultat.

Natürlich ist die Volatilität von Bitcoin problematisch. Ob sie aber daher kommt, dass es keine regulierende Zentralbank gibt, oder daher, dass Bitcoin einfach noch nicht weitflächig genug als Zahlungsmittel im Einsatz ist, ist Spekulation. Die Erfahrungen mit dem Goldstandard zeigen ja, dass es durchaus möglich war, durch die Bindung an eine knappe Ressource ein stabiles Geld zu haben.

Der Goldstandard war eine etwa 50-jährige Epoche zwischen etwa 1870 und 1920, in der der Wert des Papiergeldes an Gold gekoppelt war. Er führte zu einer beispiellosen Globalisierung der Weltwirtschaft, zu einer rasenden Industrialisierung, zu einer Blüte in Kunst, Architektur, Kultur und Wissenschaft, und zur Anhäufung großer, privater, unternehmerisch aufgebauter Vermögen. Es wäre absurd, zu behaupten, der Goldstandard sei ein Flop gewesen, auch wenn die Geldstabilität nicht den Standards entsprochen haben mag, die moderne Notenbanker aufstellen.

Im frühen 20. Jahrhundert wurde der Goldstandard nach und nach ausgesetzt. Der Grund war, dass er es den Staaten schwer machte, mit der Geldpolitik auf Wirtschaftskrisen zu reagieren – und die steigenden Militärausgaben, vor allem nach Ausbruch des ersten Weltkrieges, zu finanzieren. Nach dem zweiten Weltkrieg setzte das Abkommen von Bretton Woods erneut eine Art Goldstandard ein, bei dem der Wert vieler Währungen an den Dollar und dessen Wert an Gold gebunden war. Es folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung im Westen und ein massiver technologischer und sozialpolitischer Entwicklungsschub. Erneut dürfte es absurd sein, zu sagen, die Golddeckung sei ein Flop gewesen.

Ebenso dürfte es zweifelhaft sein, ob das Modell der EZB wirklich ein Erfolgsmodell ist. Seit der Aussetzung von Bretton Woods hat sich das Wirtschaftswachstum im Westen verlangsamt. Die vielen Wirtschafts- und Finanzkrisen, die uns seit den 90ern plagen, sprechen ebenfalls nicht für den Erfolg des Systems freier Wechselkurse ungedeckter Währungen, und die Schwierigkeit von Ländern wie Griechenland, aber auch Italien und Spanien, ihre Wirtschaftspolitik mit den Stabilitätszielen der EZB in Einklang zu bringen, mündet darin, dass diese Länder große Probleme haben, sich von der letzten Finanzkrise zu erholen. Die Vereinigung der verschiedenen Volkswirtschaften im Euro machte aus der Finanzkrise zudem eine Währungskrise.

Wenn man historisch ein wenig weiter schaut, sind jene Phasen, in denen es eine goldgedeckte Währung gab, tendenziell blühende Zeiten, während die Versuche, ein ungedecktes Fiatgeld zu schaffen, mit hoher Zuverlässigkeit im Zerfall endeten. Die Idee, eine Währung durch das Vertrauen in die Unabhängigkeit und Kompetenz einer Zentralbank zu stabilisieren, ist eher neu, und weit davon entfernt, sich ähnlich lange bewährt zu haben wie eine durch Edelmetalle gedeckte Währung. Wenn die Staatliche Münze Berlin daher schreibt, das Internet sei erst 50 Jahre alt, während Münzen tausende von Jahren überdauern, wendet sich das auch genau gegen die Botschaft, die die beiden Bundesbanker ausstrahlen wollen: Die durch Edelmetalle gedeckten Währungen blieben hunderte oder tausende von Jahren stabil, während es das Geld der EZB noch nicht mal 20 Jahre gibt.

Daher stellt sich die Frage, was das Experiment ist: Ein neuartiges Währungsdesign, das schon nach 20 Jahren große wirtschaftliche Probleme bereitet – oder ein sich über Jahrtausende bewährtes System des harten Geldes, wie es Bitcoin vertritt?

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