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IOTA: Zwischen Himmel und Hölle

Die News von IOTA sind mal wieder stark gemischt. Auf der einen Seite scheint es in der Foundation zu gären. Ein ehemaliger Mitarbeiter packt aus und berichtet, was bei der Stiftung alles schiefläuft. Gleichzeitig gelingt es der Stiftung aber, zum Finalisten beim Corona-Hackathon der Bundesregierung und Mitglied eines EU-Projektes zu werden.

Oh IOTA. Es dürfte kaum eine Kryptowährung geben, die es so schwer macht, neutral über sie zu berichten. Denn man hat ständig eine Polarität, wie bei einem bipolaren Menschen, nur dass Depression und Manie bei IOTA zur gleichen Zeit geschehen. Auf der einen Seite gibt es begeisternde Industriepartnerschaften und visionäre Projekte, auf der anderen Seite kindische Skandale, peinliche Bugs und nicht eingehaltene Deadlines. Das ist in dieser Woche nicht wesentlich anders.

Er ist nicht wütend, will aber dennoch eine Menge loswerden

Der Entwickler Philipp Blum hat ehemals bei der IOTA-Foundation als „Beratungs-Entwickler für das Ökosystem“ gearbeitet; seine Aufgabe war es, eine Entwickler-Community für das Internet der Dinge aufzuziehen.

Er hat die Foundation mit Sitz in Berlin vor kurzem verlassen und legt seine Gründe in einem öffentlichen Abschiedsbrief dar. Solche Abschiedsbriefe haben wir in der Krypto-Szene schon oft gesehen. Sie sind manchmal ein „Rage-Quit“, wie der legendäre Abschied von Mike Hearn; aber auch dann, wenn sie sich einer weniger drastischen Sprache bedienen, äußern die Autoren in ihnen gerne all den Ärger, der sich im Lauf der Zeit angestaut hat.

So betont Philipp, keinen Groll zu hegen. „Ich bin nicht wütend, und ich will die IOTA-Foundation nicht schädigen. Sie haben einige wirklich gute Ingenieure und Mitarbeiter.“ Er schreibe diesen Brief nicht gerne, meint aber, dass „die IOTA-Community diese Information braucht.“ Und dann legt er los. Er zählt alles auf, was ihn an der IOTA Foundation stört.

Auf der einen Seite wäre das die mangelnde Transparenz. Beispielsweise der EDF Fund Tracker, der zeigen soll, wie die Foundation die Spenden und Guthaben nutzt. Er wurde zum letzten Mal Mitte 2019 aktualisiert, und wenn man sich die Adresse der Guthaben anschaut, klafft eine Lücke von beinah einer Million Dollar auf. Nicht eben besser sieht es mit den IOTA aus, die David Sonstebo und CfB während der IOTA-ICO abgezwackt haben. Sie sollten eigentlich Jinn gehören, der Organisation, die die erste ICO gemacht hat, und dementsprechend an die Foundation übergangen sein. Was David mit den Guthaben macht, die ihm eigentlich nicht gehören sollten, ist vollkommen unbekannt.

Finanziell sieht es nicht gut für die Foundation aus, worüber diese die Community auch gerne im Dunkeln lässt. Philipp schätzt, dass sie in 13 Monaten ihr ganzes Geld verbrannt hat. Sie hat also nur noch ein Jahr Zeit, nachhaltig zu wirtschaften und Coordicide, die Abschaltung des zentralen Coordinators, zu vollenden. Womit wir beim nächsten Problem wären.

Denn die Foundation liefere technisch viel zu wenig. Sie sollte eigentlich ein Protokoll für die Maschinenökonomie des Internets der Dinge schaffen. Aber tatsächlich arbeite sie kaum an diesem Thema. Sie habe „keine Idee, wie sie das IOTA-Protokoll in wichtige IoT-Protokolle integriert. Sie arbeitet nicht einmal daran.“ Gleichzeitig verzettele sie sich in unzähligen Software-Projekten – Hornet, Bee, goshimmer, IRI, cIRI, den Marktplatz, Stream, Smart Contracts, der Permanode. „Es ist einfach zu viel. Man kann all das nicht mit einer Handvoll von Ingenieuren managen.“ Wie üblich geht alles langsamer, wenn man sich verzettelt. Coordicide, die Abschaltung des Coordinators, ist längst überfällig, aber noch lange nicht in Sicht. Vor knapp einem Jahr hat die Foundation die Coordicide Roadmap vorgestellt, und damals kam der Eindruck auf, es könne in einigen Monaten soweit sein. Davon scheint man heute weit entfernt.

Welche Folgen es hat, auf Quantität anstatt Qualität zu setzen, zeige der Moonpay-Hack. Der XSS-Angriff war mehr oder weniger ein Anfängerfehler, und auch wenn der Fehler vor allem bei Moonpay lag, sage es einiges aus, dass nur IOTA betroffen war.

Das, was Philipp Blum ausbreitet, ist also eine ganze Menge Holz. Natürlich könnte manches dem Ärger eines ehemaligen Mitarbeiters geschuldet sein, dessen Vorschläge und Bedenken nicht so ernst genommen wurden, wie er es gerne gehabt hätte. Aber Teile der Kritik wirken auch besorgniserregend: etwa die dünne finanzielle Decke der Foundation, die Vernachlässigung der Anbindung an IoT-Protokolle sowie die Verzettelung in zu viele Projekte.

Gleichzeitig schafft es die Foundation aber auch jetzt, für gute Nachrichten zu sorgen.

Hackathon und Horizon 2020

So gelang es der Foundation, in das Finale des #SmartDevelopmentHacks gewählt zu werden. Das ist ein Projekt des Wirtschaftsministeriums zusammen mit einer Organisation der EU für Entwicklungshilfe. Dabei geht es darum, durch kluge Technologie Wege zu finden, um die Folgen der Corona-Krise zu lindern. Rund 1.000 Teams haben Projekte eingereicht, 20 davon wurde ausgewählt, um am 14. und 15. Mai beim Hackathon mitzumachen. Wer schließlich gewonnen hat, ist derzeit noch nicht bekannt.

Dabei konnte sich auch die IOTA-Foundation qualifizieren. Man sollte die Nachricht aber auch nicht überbewerten. IOTA macht nicht mit einem eigenen Projekt mit, sondern ist lediglich Teil eines Projektes. Der Name ist „Smart Care Corona Response in Eastern European countries and African countries“, zu Deutsch etwa: „Intelligente Antworten der Pflege auf Corona in osteuropäischen und afrikanischen Ländern.“ Neben der IOTA-Foundatoin wirken dabei noch fünf weitere Partner mit, die dem Gesundheits- und Bildungswesen zuzuordnen sind. Worum es konkret geht, ist nicht öffentlich bekannt. Aber es scheint der IOTA-Foundation gelungen zu sein, die anderen Partner zu überzeugen, eine Blockchain bzw. einen Tangle zu benötigen.

Ferner hat es die IOTA-Foundation geschafft, Teil des Dig_it-Projekts zu werden. Das ist ein Förderprojekt aus dem Horizon 2020 Programm der EU, das EU-weit Geld an Wissenschafts- und Technologieprojekte vergibt.  Der Foundation gelang es bereits, als Teil des +CityXchange-Projekts in den Genuss von Horizon-2020-Fördergelder zu kommen. Dig_it zielt nun darauf ab, Daten der Bergbauindustrie zu gewinnen und auf einer Internet-of-Things-Plattform zu vereinen, um dadurch neue Erkenntnisse zu erzielen, dank denen die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter verbessert und die Industrie umweltfreundlicher gemacht wird. Dabei ist die IOTA-Foundation einer von 16 Partnern in ganz Europa. Das Konsortium wird in den kommenden 48 Monaten 7 Millionen Euro erhalten, von denen die IOTA-Foundation 155.000 bekommt. Dies könnte ein hervorragender Ansatz sein, um den Tangle für das Internet der Dinge zu positionieren.

Damit gelingt es der Foundation trotz der offenkundigen Probleme weiterhin, Partner zu gewinnen, erfolgreiche Projekte zu starten und Zuschüsse zu erhalten. Gleichzeitig jedoch scheint dies die Verzettelung der Foundation noch zu vertiefen, weshalb es an Ressourcen mangelt, um die eigentlichen, längst überfälligen Projekte auch abzuschließen.

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