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In Vietnam sind Kryptowährungen weltweit, in Belgien europaweit am weitesten verbreitet. Warum?

Eine neue Umfrage zur globalen Verbreitung von Kryptowährungen zeigt: Nirgendwo halten so viele Menschen Kryptowährungen wie in Vietnam und Südostasien im generellen. In den Industrieländern ist die Rate deutlich geringer – mit der seltsamen Ausnahme Belgien. Wie versuchen, aus den Daten schlau zu werden.

Finder, eine Art Vergleichsportal, hat 42.000 Menschen aus 27 Ländern nach Kryptowährungen befragt. Die Umfrage war relativ simpel – sie fragte, ob man Kryptowährungen besitze, und wenn ja, welche: Bitcoin, Ether, Ripple (XRP), Litecoin, Bitcoin Cash und / oder „andere“. Durchgeführt wurde die Umfrage durch Googles Umfrageservice. Über diesen hat Finder je Land 1160 bis 2511 Teilnehmer erreicht.

Methodisch ist anzumerken, dass Google nicht für jedes Land „repräsentatives Sample“ anbietet. Wo dies nicht ging, hat Finder ein zufälliges Sample benutzt, für das Google versucht hat, die Ergebnisse zu gewichten. Dennoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass die Umfrage methodologisch nicht ganz sauber ausfällt.

Aus den Ergebnissen, wie viele Prozent der Teilnehmer Kryptowährungen besitzen, leitet Finder ab, wie viele Prozent der Einwohner eines Landes Kryptowährungen besitzen. Daraus bilden die Autoren der Mini-Studie eine Art Krypto-Weltkarte, die zeigt, wo mehr und wo weniger Menschen Kryptowährungen halten.

Vietnam toppt, England floppt

Ganz weit vorne liegt hier Vietnam, wo 41 Prozent der Teilnehmer Kryptowährungen besitzen, gefolgt von Indonesien und Indien mit je 30 Prozent, sowie Malaysia und den Philippinen mit 29 bzw. 28 Prozent. Der global erkennbare Schwerpunkt in Südostasien ist unmöglich zu übersehen. Er sticht so stark heraus und erstreckt sich auf so viele Länder, dass man ihn kaum durch methodologische Unzulänglichkeiten relativieren kann

Im oberen Mittelfeld spielt eine eher bunte Mischung aus Ländern, die wie Südkorea (23%) oder Singapur (19%) ebenfalls in Südostasien liegen, aber auch europäische Länder wie Belgien (26%), Italien (21%) und die Niederlande (20%). Mit Brasilien (22%) tritt nun auch das erste südamerikanische Land auf. Das Schlusslicht bilden überraschenderweise Großbritannien (8%) und die Vereinigten Staaten von Amerika (9%). Nur ein wenig besser stehen Deutschland und Japan mit 11 Prozent da.

Auffällig an dieser Liste ist, dass im Spitzenfeld fast nur Länder der zweiten und dritten Welt zu finden sind; die einzigen Ausnahmen sind Belgien und Südkorea. In der Schlussgruppe dagegen findet man nur Länder der ersten Welt. Auch das ist zu breit und eindeutig, um Zufall zu sein. Gibt es für Einwohner der zweiten oder dritten Welt einfach mehr Anreize, Kryptowährungen zu verwenden und damit zu besitzen? Oder, anders gesagt: Sind die Anreize für Krypto anders verteilt, so dass sie in Schwellenländern eher in die Breite gehen, während sie in der ersten Welt stärker exklusiv bleiben?

Freilich sollte man einwenden, dass nicht wenige Länder ignoriert worden sind. So fehlt etwa komplett Osteuropa, mit Argentinien, Equador, Venezuela und Mexiko wichtige Länder Lateinamerikas, fast ganz Asien und Afrika sowie China und Zentralasien. Eine wahrhaft globale Umfrage würde sicherlich nochmal etwas andere Ergebnisse hervorbringen.

Die Konzentration auf 27 Länder erlaubt es Finder jedoch, etwas mehr ins Detail zu gehen. So lassen sich für ausgewählte Länder Profile erstellen, die zumindest ein wenig mehr darüber verraten, wie man dort zu Kryptowährungen steht.

Warum ist Krypto in Vietnam so verbreitet?

Prädestiniert für ein solches Profil ist natürlich der Sieger der Umfrage – Vietnam. Die Autoren der Umfrage sind erstaunt, dass 41 Prozent der Vietnamesen laut eigener Angabe Kryptowährungen besitzen – „denn technisch gesehen sind Kryptowährungen in Vietnam illegal.“ Erst im März 2021 hat Finanzminister Thanh Nien gewarnt, dass der Kauf von Kryptocoins durch kein Gesetz gestützt werde.

Allerdings räumen die Autoren der Studie auch ein, dass die 41 Prozent vermutlich zu hoch seien, weil das Sample nicht vollständig repräsentativ war. Es enthält wohl einen zu großen Anteil von Personen, die demographisch in der Weise vorbelastet sind, dass sie anfälliger für Kryptowährungen werden. Allein schon, weil nur zwei Drittel der Vietnamesen den für die Teilnahme notwendigen Internetanschluss haben.

Dennoch deuten die Ergebnisse auf eine ungewöhnlich hohe Krypto-Akzeptanz in Vietnam hin. Dies werde auch durch eine Umfrage von Statista gedeckt, so die Autoren, und der Crypto Adoption Index 2021 von Chainalyses setzt Vietnam ebenfalls auf den ersten Platz. Da der Bericht noch nicht erschienen ist, gibt nur ein karger Satz einen kleinen Hinweis, weshalb: „Einige Schwellenländer wie Kenia, Nigeria, Vietnam und Venezuela liegen im Index vor allem deswegen weit oben, weil sie ein hohes Transaktionsvolumen auf Peer-to-Peer-Plattformen sehen, wen man dieses nach dem BIP je Kopf sowie dem Anteil der Internetverbindungen gewichtet.“

Aber zurück zur Kurzstudie von Finder. Die Autoren mutmaßen, dass der hohe Einfluss von Rücküberweisungen von Vietnamesen, die im Ausland arbeiten, eine große Rolle spielt. Dies ist eine valide Vermutung. Allerdings könnten auch die in Vietnam beliebten Pyramiden- und Ponzispiele eine Rolle spielen. So wurde erst im März vor „Pi“ gewarnt, einer etwas zwielichtigen Kryptowährung – falls man das Ding überhaupt so nennen kann – die in Vietnam rasend beliebt wurde.

Man kann das auch in der Statistik zur Verteilung der Coins erkennen: Zwar besitzen 20 Prozent Bitcoin, sieben Prozent Bitcoin Cash, je fünf Prozent Ether und XRP und vier Prozent Litecoin. Dass Bitcoin Cash weiter verbreitet ist als Ether, könnte man als Hinweis darauf verstehen, dass es den Menschen in Vietnam um eine Kryptowährung für Zahlungen geht, und weniger um Investments oder futurologische Technologie.

Markant ist allerdings auch, dass 13 Prozent „andere Coins“ besitzen. Das ist ein auffallend hoher Teil. Da so gut wie jeder, der eine „echte“ Kryptowährung besitzt, auch Bitcoins hat, kann man davon spekulieren, dass ein Großteil derjenigen, die BCH, XRP, ETH oder LTC halten, auch BTC halten, was wiederum bedeuten würde, dass unter denen, die einen „anderen“ Coin besitzen, viele sind, die keine echte Kryptowährung haben, sondern Shit- und Betrugscoins wie eben Pi. Aber das ist Spekulation auf dünnem Eis.

Ein Blick auf andere Länder Südostasiens kann helfen, zu verstehen, was Vietnam so besonders macht. Auch Indonesien, Indien, Malaysia und die Philippinen haben hohe Anteile an Krypto-Besitzern. Laut Finder verdankt sich dies ebenfalls den Rücküberweisungen von Gastarbeitern.

In allen diesen Ländern ist Bitcoin mit 14-17 Prozent am verbreitetsten. Danach kommen, mit leichten Variationen, BCH, ETH und XRP mit jeweils 4-8 Prozent; Litecoin liegt in allen Ländern hinten, bleibt allerdings präsent. Soweit entspricht dies Vietnam. Doch die „anderen Coins“ erreichen hier wie da 5-8 Prozent. Anders als in Vietnam können sie sich nicht von Bitcoin Cash und Ether absetzen. Dies kräftigt den Verdacht, dass hinter den hohen Raten von Kryptobesitzern in Vietnam auch Pyramidenspielen und andere Betrugssysteme stehen.

Erste Welt, zweite Welt und Belgien

Das vielleicht überraschendste Ergebnis der Studie ist jedoch Belgien. Warum sind in Belgien Kryptowährungen so beliebt? Warum halten dort 26 Prozent eine Kryptowährung, während es in Nachbarländern wie der Niederlande und Deutschland nur 21 bzw. 11 Prozent sind?

Erneut können wir versuchen, aus der Verteilung der Coins einen Verdacht abzuleiten: Neun Prozent halten Bitcoin, drei Prozent Bitcoin Cash und Ripple, je zwei Prozent Ether und Litecoin. 14 Prozent dagegen besitzen eine „andere Kryptowährung.“ Dass „andere“ die Mehrheit stellt, ist für kein anderes Land festzustellen, nicht einmal für Vietnam. Dies lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder sitzen viele Belgier einem nur in Belgien umgehenden Scamcoin auf, vielleicht ein Pyramiden- oder Multilevelmarketing-System. Oder Belgier glauben, warum auch immer, eine Kryptowährung zu benutzen, obwohl sie einen schnöden Euro verwenden.

Abgesehen von den „anderen Coins“ ähneln die Profile von Hongkong und Südkorea dem von Belgien: Bitcoin dominiert den Markt mit 18 bzw. 15 Prozent, gefolgt von Ether mit 6 bzw.4 Prozent. Ripple, Litecoin und Bitcoin Cash spielen kaum noch eine Rolle, und auch die anderen Coins sind nur schwach vertreten. Eventuell deuten die starke Dominanz von Bitcoin sowie die gute Stellung von Ether darauf hin, dass es den Entwicklungsländern weniger um tatsächliche Überweisungen geht, sondern vielmehr ums Investment.

Ähnlich, wenn auch mit etwas weniger deutlich ausgeprägter Bitcoin-Dominanz, sieht es in Deutschland und Japan, in den Vereinigten Staaten, dem Vereinten Königreich und Australien aus. Man könnte dies als „Erste-Welt-Profil“ verstehen: Digitales Gold ist gefragt, ebenso ein Coin für eine Smart-Contract-Plattform. Reine Zahlungscoins, wie XRP, LTC und BCH, spielen hingegen eine sehr untergeordnete Rolle.

Der Fall Brasilien bestätigt dies – vielleicht. Die Bitcoin-Dominanz ist hier mit 12 Prozent ausgeprägt, wenn auch nicht ganz so sehr, und Bitcoin Cash ist stärker vertreten als Ethereum.  Allerdings steht diese Theorie bislang noch auf sehr wackeligen Beinen. Dafür sind die Daten aus der Umfrage einfach noch zu dünn.

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