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„Ich schaue es mir wie ein Produkt an, und die ABC-Chain bietet mir das Produkt, das ich brauche.“

Tobias Ruck (26) aus Calw möchte mit be.cash Kartenzahlungen auf Basis von Bitcoin Cash (BCH) in den Handel bringen. Wir haben mit ihm über sein Projekt gesprochen, über die anstehende Fork von Bitcoin Cash und weshalb er sich dabei auf eine unbeliebte Seite schlägt.

Hallo Tobias! Du bist ja einer von wenigen deutschen Bitcoin-Cash-Unternehmern, vielleicht sogar der einzige. Wie hast du es geschafft, in diese seltsame Lage zu geraten?

Das ist eine ganz eigene Geschichte, die ich gerne erzähle. Als Bitcoin entstand, war ich 15, da hat mich das noch nicht so interessiert, aber später, während meines Studiums, kam ich zum Liberalismus und wurde libertär, und dann begann ich, mich wieder für Bitcoin zu interessieren. Etwa zu der Zeit sind die Transaktionsgebühren gestiegen, und ich war skeptisch, weil ich mit Lightning nichts anfangen konnte. Dann kam die Fork von Bitcoin Cash …

Und du bist direkt eingestiegen?

Nein, haha, ich dachte erst, das ist voll der Scam, weil das so viele andere gesagt haben, und habe die BCH, die ich für meine BTC bekommen habe, prompt verkauft. Ich habe damals noch darauf gehofft, dass SegWit2x durchkommt. Aber das ist dann ja gescheitert, was mich ziemlich schockiert hat, und dann habe ich eine Debatte zwischen Roger Ver und Richard Heart gesehen …

Die war ziemlich unterirdisch, oder?

Ich fand die gar nicht so schlecht. Roger hat mich recht gut überzeugt, auch mit technischen Argumenten, dass man größere Blöcke haben kann, aber vor allem ökonomisch, dass Bitcoin skaliert, weil der Markt bereit ist, das zu leisten.

„Ich kann sie beliebig weit unterbieten und dennoch noch Gewinn machen.“

Dir ging es dabei vor allem um weltanschauliche Gründe, oder?

Ja, genau, bei Bitcoin Cash sind ja viele Libertäre, und die Idee, dass man die Blöcke einfach so wachsen lassen kann, und der Markt es regelt, wenn man nicht eingreift, ist eben auch anziehend für Liberale. Ich habe dann also wieder BCH gekauft, und ich war total begeistert, wie schnell Transaktionen gingen und wie gut die User-Experience ist. Also habe ich mich auf dem Laufenden gehalten, mich über die halbjährlichen Hardforks informiert, mich in die Technik reingefuchst und Gedankenexperimente gemacht.

Dann kam OP_CHECKDATASIG (CDS), und das war ein Durchbruch, ohne den es be.cash niemals gegeben hätte …

Kartenvorschlag von be.cash

Warte kurz, bevor wir über be.cash reden – magst du den Lesern erklären, weshalb CDS so wichtig ist?

Gerne. Mit CDS kann man eine Bedingung an eine Transaktion dran setzen, wie der Coin ausgegeben werden kann. Man kann etwa angeben, wie die Outputs aussehen müssen, an die das Geld geht.

Du meinst, man bestimmt nicht nur, welcher Schlüssel Folgetransaktion signieren muss, sondern auch, wie sie auszusehen hat?

Ja, genau. Ohne das wäre be.cash vollkommen unmöglich. Be.cash ist eine Karte, die eine Signatur erstellt, die in einem UTXO mit einem Smart Contract steckt, und dieses Script bestimmt, dass nur eine bestimmte Menge an Geld frei ausgegeben werden darf, und der Rest muss als Wechselgeld an eine bestimmte Adresse zurück.

Das heißt, der Kartenbesitzer kann einen bestimmten Betrag bestimmen, den jemand anderes abbuchen kann?

Exakt. Wenn jemand mit einer be.cash-Karte bezahlt, bildet nicht die Karte die Transaktion, sondern der Händler, der das Geld akzeptiert. Die Karte bestimmt lediglich, dass ein bestimmter Betrag ausgegeben werden kann.

Das ist also wie eine Lastschrift?

Ja, und das ermöglicht ganz neue Sachen. Ein großer Vorteil ist, dass es viel schneller geht, weil man nur einen kurzen Text signieren muss anstelle einer ganzen Transaktion. Und es wird auch einfacher, die Karte zu managen, weil man sie nicht ständig updaten muss und weil sie nicht kaputt gehen kann, wenn man einen Fehler macht. Aber gleichzeitig gibt es auch eine gewisse Infrastruktur, die man braucht, um die Karte zu managen, und die stellt dann be.cash bereit, etwa um die Transaktionen zu indizieren.

Das heißt, du möchtest die be.cash-Karten auf den Markt bringen? Wie siehst du denn deine Chancen, damit Erfolg zu haben?

Eigentlich ziemlich gut. Wenn man sich die anderen Karten anschaut, dann kosten die in den USA etwa derzeit mindestens 2,4 Prozent. Da die Transaktionen bei BCH extrem günstig sind und unsere Infrastruktur ziemlich überschaubar, kann ich die beliebig weit unterbieten und dennoch noch Gewinn machen.

„Ich finde das prinzipiell nicht schlimm, solange die Spaltung für beide Seiten einen Mehrwert bringen wird.“

Allerdings benutzt halt niemand BCH …

Ja, leider. Bitcoin Cash ist perfekt für be.cash, weil es ein stabiler, schneller, günstiger und zuverlässiger Coin ist, der auch genau den Opcode hat, den ich brauche. Aber natürlich benutzen zu wenig Menschen BCH, und das wird sich vermutlich auch nicht so schnell ändern. Daher werde ich einen Stablecoin benutzen, etwa USDH. Das geht dann einfacher in Richtung Massenadoption. Was spricht dann denn noch dagegen?

Bitcoin Cash selbst, also der Coin, für dich gar nicht so wichtig?

Ja, was ich brauche, ist die Infrastruktur und den CDS Opcode. Ohne die läuft es nicht. Aber ich verstehe BCH eher als Produkt, und nicht als Ideologie oder als Community. Und als Produkt ist es eben die beste Blockchain, um die Massenadoption hinzubekommen. Es ist stabil und schnell, und wenn wir in Zukunft etwa Avalanche bekommen, wird es noch besser.

Derzeit bahnt sich in Bitcoin Cash ja eher Ärger an …

Ja, wir steuern auf eine Fork zu, bei der sich die Blockchain spalten wird. Ich finde das prinzipiell nicht schlimm, solange die Spaltung für beide Seiten einen Mehrwert bringen wird. Das war bei der Fork von BTC so: Bitcoin konnte seine Vision von einem Settlement-Netzwerk mit Lightning verwirklichen, und Bitcoin Cash die Vision des P2P Cashes weiter verfolgen. Wenn die Ziele verschieden sind, ist eine Spaltung sinnvoll. Bei der Spaltung von BSV war es hitziger, aber auch hier gab es verschiedene Ziele, die nicht länger kompatibel waren …

Ich fand das schwierig, weil die BSV-Fork vieles auseinandergerissen hat, und die technische Roadmap und die weltanschaulichen Hintergründe nicht klar zu trennen waren. Das machte die Fork zu einer Katastrophe für „Big Block Bitcoin“.

Das fand ich nicht. Ich denke, es gibt einen kulturellen Unterschied zwischen BSV und BCH. Viele Leute hängen an Craig Wright, was schon bestimmte Persönlichkeitseigenschaften und kulturelle Orientierungen zeigt, die nicht mit BCH kompatibel sind. Das war für mich entscheidend. Ich denke, es ging gar nicht hauptsächlich um die Technologie.

„Das ist für mich die falsche Energie, die bringt uns nicht weiter.“

Findest du nicht, dass ein P2P Cash für die ganze Welt kulturelle Unterschiede überbrücken sollte?

Nein, ich denke, es ist vollkommen ok, wenn es ein P2P Cash für Libertäre gibt, und eines für andere, und man sich ausspezifiziert. Damit hätte ich kein Problem. Man muss natürlich Kompromisse finden und verhindern, dass man sich zu sehr zersplittert. Aber ich denke nicht, dass man unbedingt zusammenhalten muss, wenn es nicht mehr geht und nur noch hindert. Manchmal hilft das Ausspezifizieren, um besser einen Markt zu treffen.

Meinst du, das ist mit BCH nach der BSV-Fork gelungen ist? Auf den ersten Eindruck hat BCH damit eher einen Markt verloren …

Meiner Meinung nach, ja. Wir haben jetzt beispielsweise drei Unternehmen, die mit OP_CHECKDATASIG arbeiten, Local.Bitcoin.com und Be.Cash und AnyHedge auch noch, die machen dezentrale Derivate. Das ist schon eine nette Nische. Dazu kommen noch Stablecoins als SLP-Token. Da hat sich meiner Meinung nach schon etwas getan, was vielleicht auch daran lag, dass man sich gespalten hat, um die eigenen Visionen besser zu verwirklichen. Dasselbe werden dir vermutlich auch BSV-Vertreter erzählen.

Und du meinst, das wird bei der kommenden Fork auch so sein?

Ja, schau dir mal r/btc an, das wichtigste Forum von Bitcoin Cash: Da geht es immer nur um Politik, und nur selten um neue Entwicklungen. Das ist für mich die falsche Energie, die bringt uns nicht weiter. Wir können sie nur nutzen, wenn wir uns spalten, so dass auf jeder Seite wieder konstruktive Energie frei wird.

„ABC schert sich schon um Einwände und nimmt die wahr. Aber das ist kein Grund, etwas nicht zu machen.“

Warum kommt es überhaupt zur Spaltung?

Ich denke, es ist ein Fork zwischen ABC und denen, die ABC nicht mögen. ABC führt die IFP ein, die 8 Prozent der Blockrewards an einen Global Network Council weitergibt, der aus ABC, den Holdern und den Minern besteht. Der entscheidet dann über die Roadmap, die Implementierung und wie die Funds investiert werden.

Das wurde ja schon eine Weile diskutiert, aber abgelehnt, oder?

Ja, das ist seit der Gründung von BCH ein Thema, hat sich aber nicht durchgesetzt. ABC hat jetzt erkannt, dass es nicht zu vereinbarende Unterschiede gibt, ähnlich stark wie zwischen BSV und BCH, und macht deswegen sein eigenes Ding.

Gibt es außer der IFP noch andere unvereinbare Unterschiede? Von außen sieht es so aus, als ginge es nur darum, dass Amaury Geld will.

Ich denke es geht wieder um verschiedene Weltansichten und Persönlichkeitsunterschiede, ich bin mir aber nicht ganz sicher, wie diese aussehen. Aber für mich liegt ein großer Unterschied in der Vorgehensweise. Wenn sich ABC für eine Technologie entscheidet, wird das durchgezogen, während die anderen eher auf den Konsens setzen, da abwägen, mehr Forschung betreiben und warten, bis sich alle einig sind. Beide Arten sind valide, aber eben kulturell anders. ABC hat sich etwa schon auf Avalanche festgenagelt, gleich nach der BSV-Fork, und die werden das auch umsetzen, während ein Teil der BCH-Community schon gezeigt hat, dass sie es nicht mittragen wollen. Ich kann das auch nachvollziehen, weil Avalanche zum Teil ein Bruch mit Proof of Work ist. Aber es hat auch Vorteile. Und da ABC also eh schon den Plan geändert hat, löst es nun eben auch das Problem mit dem Funding.

Das kommt mir jetzt recht diktatorisch vor. Findest du nicht, dass das der falsche Ansatz für ein dezentrales globales Netzwerk ist?

Och, ABC schert sich schon um Einwände und nimmt die wahr. Aber das ist kein Grund, etwas nicht zu machen. Ich finde, diktatorisch ist der falsche Begriff. Es ist eher so, dass sie weniger auf Konsens und Übereinstimmung setzen. Wenn sie eine Idee haben, wird die umgesetzt, und wer nicht will, soll nicht mitmachen.

Und meinst du, dass ABC dann noch Bitcoin Cash sein wird, wenn der Großteil des Ökosystems nicht mitmacht?

Das ist eine schwierige Frage. ABC hat ja Bitcoin Cash gegründet, darauf könnte man sich berufen, und das verleiht ihnen eine gewisse Glaubwürdigkeit. Aber ich will mich da nicht festlegen und finde auch, dass es nicht am Namen oder Tickersymbol hängt. Wenn es danach Bitcoin ABC heißen würde, fände ich es komisch, aber mir würde XBC oder BCC sehr gut gefallen.

„Wenn es einen Konflikt gibt, ist er bereit, den auch zu führen.“

Denkst du nicht, dass der Verlust an Netzwerkeffkten verheerend sein wird?

Nicht so sehr. Wir haben sowieso keinen großen Netzwerkeffekt und müssen den eh erst noch aufbauen. Das muss ich mit be.cash auch selbst machen. Daher denke ich, dass es wichtiger ist, eine gute Basis zu haben. Ich hoffe, dass sich die Leute nach der Fork besser auf ihre Sache konzentrieren können, also auf das, was sie wollen. Ich sehe das bei Amaury, wenn ich mit dem zusammenarbeite, wie viel Hirnschmalz da für die ganze Politik draufgeht.

Bei Amaury Sechet, dem Leitentwickler von ABC, ist das aber auch selbst verschuldet, oder?

Sehe ich nicht so. Klar, Amaury hat eine bestimmte Persönlichkeit, er ist sehr „disagreeable“, das ist eine bestimmte Dimension der Big Five. Viele in Bitcoin Cash suchen den Konsens, weil man ja eh schon von BTC weggeforkt hat, aber auf beiden Seiten des Streits gibt es eben Leute, die nicht den Konsens suchen, sondern ihr Ding machen wollen. Wie Amaury. Wenn es einen Konflikt gibt, ist er bereit, den auch zu führen.

So wie ich es sehe, hat er durch ein Fehlen an Diplomatie so gut wie jeden gegen sich aufgebracht, was es natürlich schwierig macht, ein Funding zu bekommen und die anderen von seinen Ideen zu überzeugen.

Nein, die Miner beispielsweise benutzen weiter ABC, jetzt vielleicht zum Teil BCHN. Mich erinnert das an Steve Jobs, der ist auch sehr disagreeable, aber trotzdem sehr erfolgreich. Vieles wird auch falsch dargestellt. Roger Ver zum Beispiel behauptet öfters, er habe ungefähr 500 Bitcoin Cash an ABC gespendet, aber tatsächlich hat seine Firma, Bitcoin.com, lediglich eine Spendenaktion organisiert und das Geld an ABC gegeben. Amaury nimmt es Roger nun übel, dass er behauptet hat, das Geld käme von Bitcoin.com. Um so etwas gibt es eben oft Streit, und Amaury nimmt da auch kein Blatt vor den Mund.

Also, zusammengefasst: Ist Amaury eine sehr konfliktfähige Person, die aber meistens recht hat?

Ja, im Prinzip schon. Er hat natürlich auch mal unrecht, ist aber an sich sehr kompetent. Wenn ich etwas erkläre, versteht er sofort, worum es geht, und ich bin recht schlecht darin, etwas zu erklären. Man merkt, dass er kompetent ist, und dann ist es auch OK, wenn er mal unhöflich ist. Natürlich wäre es besser, wenn er manchmal zweimal nachdenken würde, wie er sich äußert. Aber ich konnte bisher gut mit ihm zusammenarbeiten, etwa mit dem OP_REVERSEBYTES-Opcode oder Mitra, das war sehr konstruktiv.

Wenn ich dich recht verstehe, hast du dich als bei der Fork für die ABC-Seite entschieden?

Ja, zumindest würde ich gerne auf der Seite bleiben. Aber ich bin auch von einem Stablecoin abhängig. Wenn USDH bei ABC bleibt, bleibe ich auch, zu 100 Prozent, egal wie viel der Coin wert ist, egal was der Rest der Community macht. Wenn USDH auf der anderen Seite steht, weiß ich noch nicht, was genau ich mache. Aber prinzipiell geht es mir nicht darum, auf der Seite der Mehrheit zu sein, sondern ich schaue es wie ein Produkt an – und die ABC-Chain bietet mir das Produkt, das ich brauche.

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