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Französische Zentralbank testet virtuellen Euro auf einer Blockchain, vermutlich Ethereum – während Schweizer Nationalbank die Technologie für ungeeignet hält

Auch in Europa nehmen die Pläne für digitales Zentralbanksgeld langsam Gestalt an. Die Banque de France schließt weitere Tests erfolgreich ab, wofür sie vermutlich die Ethereum-Blockchain verwendet. Doch sowohl von der Schweizer Nationalbank als auch der Bundesbank kommen Zweifel, ob es wirklich sinnvoll ist, dafür eine Blockchain zu verwenden.

Über digitales Zentralbanksgeld, kurz CBDC (Central Bank Digital Currencies), wird viel geredet, während relativ wenig passiert. Und das, was passiert, läuft selbst dann in Zeitlupe ab, wenn eine Macht wie China dahintersteht.

In Europa treibt vor allem Frankreichs Zentralbank, die Banque de France, die Einführung von virtuellen Euros voran. In einer Pressemitteilung berichtet sie nun vom Stand der Dinge.

Die Bank begann bereits im März 2020 damit, zu testen, ob sich CBDCs als Instrument nutzen lassen, um Wertpapiertransaktionen zu finalisieren. Im Juni dieses Jahres hat sie nun gemeinsam mit der Schweizer SEBA-Bank, sowie der Zentralbank und dem Zentralverwahrer von Luxemburg ein weiteres Experiment abgeschlossen. Dabei ging es ebenfalls darum, CBDCs im Settlement von Wertpapieren zu benutzen und dieses zu beschleunigen. Als technische Basis verwendete die Bank eine öffentliche Blockchain, auf der sie mithilfe spezieller Smart Contracts die Kontrolle bewahrte und Vertraulichkeit schuf.

Welche Blockchain die Bank benutzt, enthüllt die Pressemitteilung nicht. Ende vergangenen Jahres hat sie eine private Blockchain getestet; doch da sie nun explizit von einer öffentlichen Blockchain schreibt, kann man spekulieren, dass es sich um Ethereum handelt. Zumindest lief eine Anleihe, die die Zentralbank im vergangenen Jahr testweise auf eine Blockchain brachte, auf Ethereum. Ähnlich handhabt es die israelische Zentralbank, die einen digitalen Shekel mithilfe der Ethereum-Technologie herausgeben möchte. Gemeint ist damit aber wohl eher eine private Fork von Ethereum als das öffentliche Ethereum-Netzwerk.

Zurück zur Banque de France. Das Experiment sei, so Generaldirektorin Nathalie Aufauvre, ein voller Erfolg gewesen. Es habe „die Schleusen für die Möglichkeiten geöffnet, die in der Verbindung konventioneller und verteilter Infrastrukturen liegen.“ Darüber hinaus ebne es den Weg für weitere Kooperationen, und die Lektionen, die man gelernt habe, seien ein wichtiger Beitrag zur Beschäftigung des Eurosystems mit CBDCs.

Weniger begeistert als die französische ist die Zentralbank ausgerechnet des Landes in Europa, das sich auf Kryptowährungen und Blockchains am entschiedensten einlässt: der Schweiz. Deren Nationalbank, die SNB, beschäftigt sich ebenfalls seit geraumer Zeit mit einem virtuellen Franken. Derzeit sieht sie aber, so SNB-Chefökonom Carlos Lenz, keine Notwendigkeit für diesen. Das aktuelle Zahlungssystem funktioniere gut genug.

Gleichzeitig nimmt die SNB an Studien und Pilotprojekten mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sowie der Banque de France teil. Bei diesen gehen es aber nicht um ein öffentliches digitales Zentralbankgeld, sondern um die Verbesserung produktiver Prozesse bei Großkunden wie Banken. Auf diesem Gebiet könnten digitale Währungen hilfreich sein.

So oder so bringt Lenz der Blockchain-Technologie wenig Begeisterung entgegen. Die Technologie sei sehr ineffizient, und er denke auch nicht, dass eine dezentrale Lösung ideal sei.

Ähnlich sehen es sein Kollege Thomas Moser, ein Mitglied des Aufsichtsrates der SNB, sowie Martin Diehl von der Deutschen Bundesbank. Die beiden haben im vergangenen Herbst auf einem Panel der „European Blockchain Convention“, einer virtuellen Konferenz, über das Thema diskutiert. Sie waren sich offenbar einig, dass CBDC-Projekte keine Blockchain benötigten.

Bitcoin sei, so Moser, ein gutes Beispiel dafür sei, was Blockchains ermöglichten: Sie schaffen ohne zentrale Partei Vertrauen. „Aber wenn man eine Zentralbank hat, dann hat man auch eine zentrale Partei, und wenn man ihr vertraut, dann gibt es keinen guten Grund, warum man eine Blockchain braucht.“ Moser erklärte weiter, dass er derzeit mit dem legendären Digicash-Gründer David Chaum ein CBDC-Projekt erforsche, welches ohne Blockchain auskomme und durch blinde Signaturen ein hohes Maß an Privatsphäre schaffe.

Diehl ergänzte, dass weder Chinas digitaler Yuan noch die e-Krone von Schweden – zwei relativ weit fortgeschrittene CBDC-Projekte – maßgeblich auf Blockchains basieren. Vor allem im Falle von Chinas digitalem Yuan (DCEP) scheint es hierüber verschiedene Ansichten zu geben, was vielleicht auch daher rührt, dass die Grenzen zwischen nicht-öffentlichen, nicht-erlaubnisfreien Blockchains und Datenbanken eher fließend sind.

Damit herrscht beim Thema CBDC trotz der ersten Gehversuche durch die Banque of France und weitere Zentralbanken noch sehr viel Unklarheit. Sollen es Blockchains sein – oder doch nur Datenbanken? Und wenn Blockchains – sollen es dann öffentliche oder private Netzwerke werden?

Man bekommt den Eindruck, als koche jede Zentralbank ihr eigenes Süppchen, das schon alleine dadurch verdorben wird, dass zahlreiche Interessengruppen ein Wörtchen mitreden wollen, in Deutschland etwa vom Bankenverband zu Blockchain-Lobbygruppen. Am Ende droht ein Wirrwarr nicht-kompatibler digitaler Währungen, die alles und nichts können, mal mehr, mal weniger nützlich sind, und die große Chance verspielen, die in digitalen Währungen von Zentralbanken liegen. Realistischer – und auch sinnvoller – wird es vermutlich sein, dass die nationalen Währungen (und der Euro) ein digitales Leben auf der Ethereum-Blockchain führen werden.

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