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Die Fiatflucht beginnt: Erstes großes Unternehmen macht Bitcoin zur primären Kapitalreserve

Das börsennotierte Unternehmen MicroStrategy macht Bitcoin mit einem 250-Millionen-Dollar-Investment zu seiner primären Kapitalreserve. Getrieben wird das Unternehmen von der Furcht, dass eine Abwertung der Fiatwährungen seine Reserven bedroht. Für Bitcoin ist das die bisher wichtigste Nachricht des Jahres. Denn der Vorfall könnte eine Kettenreaktion auslösen.

Es gibt Meldungen, auf die wartet man als Bitcoiner schon seit Jahren, weil es so naheliegend ist, reibt sich dann aber doch verblüfft die Augen, wenn man sie dann wirklich liest. Eine solche Meldung ist die Pressemitteilung von MicroStrategy, dem weltweit führenden Anbieter von Software zum Unternehmens-Monitoring. Die US-Firma hat laut Wikipedia 2.600 Mitarbeiter und erwirtschaftet im Jahr einen Umsatz von 450 Millionen Dollar.

MicroStrategy kündigt an, 21.454 Bitcoins zu einem Gesamtpreis von 250 Millionen Dollar gekauft zu haben. Dieser Kauf war ein Teil der neuen Strategie zur Kapitalallokation, die das Unternehmen im zweiten Finanzbericht 2020 angekündigt hat. In dieser Strategie wurde unter anderem beschlossen, bis zu 250 Millionen Dollar in alternative Finanzprodukte zu investieren.

Der CEO von MicroStrategy, Michael J. Saylor, erklärt, die Entscheidung „reflektiert unsere Überzeugung, dass Bitcoin, als die am weitesten verbreitete Kryptowährung, ein verlässliches und attraktives Investment ist, das mehr Potential in sich trägt als Cash“. Getrieben wurde der Zug aber weniger vom Enthusiasmus für Bitcoin – sondern vielmehr von den ungünstigen Aussichten der Fiatwährungen.

Saylor sieht „einen Zusammenfluss von Makro-Faktoren, der die Wirtschaft und Unternehmenslandschaft beeinflusst, und von dem wir denken, dass er langfristige Risiken für die Kapitalreserven unseres Unternehmens mit sich bringt.“ Konkret meint er die Corona-Krise, beispiellose Finanzspritzen durch die Regierung und eine globale politische und wirtschaftliche Unsicherheit: „Wir glauben, dass diese und andere Faktoren zusammen einen signifikanten abwertenden Effekt auf den langfristigen Wert von Fiat-Währungen und vielen anderen konventionellen Investmentprodukten haben wird.“

Von Bitcoin dagegen erwartet Saylor nicht nur einen Schutz vor Inflation, sondern auch die Aussicht auf eine höhere Wertsteigerung als andere Investments. „Bitcoin ist digitales Gold – härter, stärker, schneller und smarter als jedes Geld, das wir bisher kannten. Wir gehen davon aus, dass sein Wert zunimmt, wenn die Technologie voranschreitet, die Akzeptanz zunimmt und die Netzwerkeffekte eintreten, die den Aufstieg von so vielen Killer-Apps der Moderne angetrieben hat.“ Daher nimmt MicroStrategy Bitcoin nicht nur ins Portfolio der Kapitalreserven auf – sondern macht es zu seiner primären Reserve.

Man muss sich vergegenwärtigen, was das bedeutet: Ein relativ großes Unternehmen erkennt Risiken für den Kapitalbestand, die auch – vielleicht vor allem – von der Geldpolitik der Regierungen ausgeht, die versuchen, Krisen zu lösen, indem sie die Geldmenge erhöhen, um den Aktienmarkt aufzublähen. Soweit ist das noch nicht ungewöhnlich. Solche Sorgen tragen und äußern viele Unternehmer, mal lauter, mal leiser. Nun ist aber mit Bitcoin eine Alternative zum bestehenden Finanzsystem da, und MicroStrategy wird zum ersten Unternehmen, dass diese ergreift. Es gibt einen Ausweg, und er steht jedem offen, der durchgehen möchte. Bitcoin befreit Unternehmen daraus, mit Gedeih und Verderb vom Fiat-System abhängig zu sein.

Der Markt scheint es zu begrüßen. Der Aktienkurs von MicroStrategy springt direkt nach Veröffentlichung der Pressemitteilung von 105 auf 115 Euro. Dies mag auch daran liegen, dass das Unternehmen mit derselben Mitteilung angekündigt hat, mit 250 Millionen Dollar eigene Aktien aufzukaufen. Dennoch zeigt es zumindest, dass der breitere Markt das Investment in Bitcoin nicht negativ aufnimmt.

Für andere Unternehmen könnte diese Strategie eine Vorbildfunktion einnehmen. Auch wenn viele Finanzexperten versichern, dass eine Inflation unwahrscheinlich sei, dürfte kaum einem Unternehmer nicht mulmig werden, wenn die Geldmengen rund um den Globus mit beängstigender Geschwindigkeit wachsen. In der Eurozone nahm sie im Juni um stolze 9,4 Prozent zu, in den USA sogar um mehr als 20 Prozent. Wer sorgt sich nicht, dass dies die Zukunft eines Unternehmens bedroht, das seine Kapitalreserven in Fiatwährungen hält? Und welche Signalwirkung wird es haben, wenn MicroStrategy mit seinem Investment nur einen Gewinn von 10-20 Prozent erreicht? Wird dies die Mitbewerber unter Druck setzen?

Wenn andere Firmen MicroStrategy nacheifern, könnte dies zu einem Wettlauf um Bitcoins führen, der für diejenigen, die zu spät kommen, sehr teuer werden wird. Es könnte auch eine Kettenreaktion in Gang setzen, durch die die Fiatwährungen zunehmend an Wert verlieren und Bitcoin zum globalen Standard für Werte wird. Vielleicht hat das Rennen zum Ausgang bereits begonnen.

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