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Der „echte“ Bitcoin-Dominanz-Index liegt nicht bei gut 60, sondern bei knapp 80 Prozent

Laut der Seite Coinmarketcap ist die Dominanz von Bitcoin im Krypto-Markt auf etwa 62 Prozent gefallen. Eine alternative Seite errechnet den „wahren“ Bitcoin-Dominanz-Index. Und der liegt bei knapp 80 Prozent – oder noch höher.

Vor etwa fünf Jahren haben „Bitcoin“ und „Kryptowährungen“ noch beinah dasselbe gemeint. Es gab zwar schon einen Haufen Altcoins, aber deren Wert war so gering, dass sie im gesamten Markt kaum aufgefallen sind. Mittlerweile hat sich das deutlich geändert. Der Markt der Kryptowährungen wurde viel bunter und diverser, und es tummeln sich darin tausende der verschiedensten Coins und Token.

Der Marktanteil von Bitcoin ist derweil auf etwa 62 Prozent gefallen, mal etwas mehr, mal etwas weniger. Das lange angekündigte „Flippening“ durch Ethereum blieb zwar aus, aber auch die von vielen Bitcoinern erhoffte Rückkehr eines Marktanteils von Bitcoin auf mehr als 80 Prozent. Zumindest kann man das so auf der beliebtesten Krypto-Chartseite sehen, auf Coinmarketcap.

Eine alternative Webseite sagt nun, dass das alles Unsinn ist. Bitcoindominance.com errechnet angeblich den „echten Bitcoin-Dominanz-Index“. Und der liegt bei knapp 80 Prozent, wenn man Ethereum weglässt, sogar bei mehr als 90 Prozent. Was machen die Macher der Seite mit der schon in der Domain ersichtlichen Intention anders als Coinmarketcap?

Bitcoindominance beschränkt die Auswahl des Marktes drastisch. Der Index enthält nur „Coins, die Proof of Work benutzen und versuchen, Geld zu sein.“ Die Token von ICOs sind ebenso wenig dabei wie Stablecoins oder Kryptowährungen mit einem Proof-of-Stake-Algorithmus. Unter den gelisteten Coins sind lediglich Bitcoin (BTC), Litecoin (LTC), Ethereum (ETH), Bitcoin SV (BSV), Bitcoin Cash (BCH) – das die Macher verächtlich Bcash nennen – Monero (XMR), Dash (DASH), Zcash (ZEC), Bitcoin Gold (BTG), Ethereum Classic (ETC), Dogecoin (DOGE) und Decred (DCR).

Damit fallen zahlreiche Coins weg, die Coinmarketcap unter den Top-20 listet: Ripple (XRP), Tether (USDT), Cardano (ADA), das Crypto.com-Token (CRO), der Binance-Coin (BNB), EOS, Chainlink, Tezos, Stellar, Tron und weitere. Bei einer so reduzierten Auswahl ist es klar, dass die Dominanz von Bitcoin höher wird.

Zum Teil ist die Argumentation verständlich. ICO-Token „werden von einer zentralisierten Entität herausgegeben und kontrolliert und können daher kein hartes Geld sein.“ Und Stablecoins sind lediglich „eine Erweiterung des von Regierungen kontrollierten Fiat-Geldes.“ Das trifft schon zu, wer eine echte Kryptowährung mit ICO-Token und Stablecoins in einen Topf wirft, vergleich Äpfel mit Birnen.

Etwas haariger wird die Argumentation bei Proof-of-Stake-Coins. Hier wird einfach angenommen, dass sie nicht zählen, da Proof-of-Work der einzige bekannte Algorithmus sei, der ein Netzwerk dezentral hält. Wenn es keine Dezentralität gäbe, stelle ein Coin keine Verbesserung gegenüber dem zentralisierten Bankwesen dar. Wie Coins mit anderen Konsens-Verfahren, wie Ripple oder Stellar, hier hineinpassen, erwähnen die Macher nicht. Sie bieten den Usern darüber hinaus die Option an, Ethereum auszublenden. Das sei zwar an sich ein Proof-of-Work-Coin, aber „viele Leute denken, dass Ethereum nicht versucht, Geld zu sein.“ Wenn man die Option aktiviert, verschwindet Ethereum aus dem Index und die Dominanz von Bitcoin steigt auf 93 Prozent. Heisa!

Natürlich ist eine solche Alternative zu Coinmarketcap sinnvoll. Sie zeigt, wie aufgebläht die gesamte Marktkapitalisierung bei Coinmarketcap ist. Wenn man dagegen an einem neuen, digitalen Geld interessiert ist, wird der Markt sehr viel kleiner, und die Dominanz von Bitcoin dementsprechend größer. Allerdings folgt die Methode auch der Intention, an der die Macher mit dem Namen „Bitcoindominance“ sowie der verächtlichen Schreibweise von Bitcoin Cash als bcash keinen Zweifel lassen: Es geht darum, zu zeigen, wie dominant Bitcoin ist. Dem werden dann Bedingungen unterstellt – das Geld muss hart sein wollen, und es muss dezentral sein – und aufgrund dieser vage formulierten Bedingungen wird durch Schnellschüsse gekürzt. So scheint es durchaus Coins zu geben – etwa XRP, Stellar, EOS, Tron, Tezos oder Cardano – die auch ohne Proof of Work funktionieren, ohne komplett zentralisiert zu sein. Der konkreten Beschäftigung mit diesen Coins entziehen sich die Seitenmacher, indem sie „dezentral“ in den Raum werfen, aber nicht definieren.

Aber auch ideologisch eingefärbte Analysen bringen einen Erkenntnisgewinn. Man darf sie nur nicht zu blauäugig betrachten.

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